Sozialpsychologie (Fach) / Einführung in die Sozialpsychologie (Lektion)

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Wintersemester 16/17

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  • Was ist Sozialpsychologie? (Definition nach Allport, 1985) Sozialpsychologie ist die wissenschaftliche Untersuchung der Art und Weise, wie Denken, Fühlen und Verhalten durch die reale oder vorgestellte Anwesenheit anderer Personen beeinflusst werden. - vorgestellte Anwesenheit: Erwartungen der Eltern beeinflussen unser Handeln - implizierte Anwesenheit: Verhalten durch soziale Rollen und kulturelle Normen geformt
  • Welche Forschungsmethoden gibt es in der Sozialpsychologie? (+ ein Beispiel) - Beschreiben (zB Kontakt zu Fremdgruppen hängt negativ mit Vorurteilen zusammen) -> keine Kausalaussagen möglich - Erklären (zB Frustration führt zu Aggression) -> Kausalaussagen möglich - Experimentelles Vorgehen (Laborexperimente, Feldexperimente oder Quasiexperimente) zB Wie wird akademische Leistung durch Mitschriften am Laptop oder per Hand beeinflusst?
  • Was versteht man unter dem Prozess der sozialen Wahrnehmung? Prozess, bei dem Informationen über die individuellen Merkmale einer Person gesammelt und interpretiert werden.
  • Beschreibe das Experiment von Asch (1946) zur Sozialen Wahrnehmung! Welche Ergebnisse lieferte das Experiment? Beschreibung: 2 Gruppen, jede bekam Adjektivliste zur Beschreibung einer Person. Listen unterschieden sich durch 1 Wort (Gruppe A: warm; Gruppe B: kalt) Frage:  Wie wurden die Personen nach diesen Beschreibungen eingeschätzt? Ergebnisse: Wärme als zentrales Persönlichkeitsmerkmal -> beeinflusst Wahrnehmung der gesamten Persönlichkeit (=Gesamteindruck) Wärme-Information evolutionär sinnvoll (Angenehme Absicht anderer Personen) Kein Effekt bei Differenzierung von höflich vs. ungehobelt (-> kein zentrales Merkmal) Soziale Wahrnehmung ist kein einfaches Aufaddieren von Merkmalen
  • Soziale Wahrnehmung als Interaktion: Was versteht man unter der self-fullfilling prophecy (Snyder, 1984)? = wenn eine ursprünglich falsche Erwartung zu ihrer eigenen Bestätigung führt Soziale Wahrnehmung (Informationssammlung aus Verhalten, Aussehen, Gesprächsinhalten) -> Verhalten und Reaktion (Aufgrund des Eindrucks) -> Self-fullfilling-prophecy zu Beginn unrichtige Überzeugungen über Zielperson bewirken, dass sie sich so verhält, dass diese Überzeugungen objektiv bestätigt werden -> Verhält man sich kalt, dann verhält sich andere Person auch kälter
  • Welche zentralen Dimensionen sozialer Wahrnehmung gibt es? (Abele & Wojciszke,2014) Wärme/Communion: vertrauenswürdig, ehrlich, nett,.. Kompetenz/Agency: kompetent, fähig, dominant,..
  • Was versteht man unter "Primacy of warmth"? - Wärme ist als Merkmal/Dimension entscheidender -> schnellere Wahrnehmung, stabiler über Kulturen, relevanter bei globalen Eindrücken anderer Personen
  • Wie stabil ist der Primacy-of-warmth-Effekt? (Untersuchungen von Wojciszke & Abele,2008) Annahmen: Wärme zentral bei Wahrnehmung von distanzierten Personen/Unbekannten (gibt wesentliche Informationen über Absichten) Kompetenz zentral bei eigener Person und bei engen Freunden (da Absichten bekannt) -> Abschwächung/Umkehrung des Primacy-of-warmth-Effekts bei eigener Person und engen Freunden Ergebnisse: nicht stabil über alle Personen hinweg bei distanzierten Personen eher wichtig bei Selbsteinschätzung spielt Wärme keine Rolle
  • Was versteht man unter Stereotypen? Einer Gruppe (Kategorie) pauschal zugeschriebene Eigenschaften; kognitive Struktur, die Wissen, Überzeugungen und Erwartungen über eine soziale Gruppe enthält
  • Was versteht man unter Vorurteilen? Einstellungen bzw. Orientierung gegenüber einer Gruppe, die diese direkt abwertet, oft aus Eigeninteresse oder zum Nutzen der eigenen Gruppe
  • Was versteht man unter Diskriminierung) Verweigerung von Gleichbehandlung Angehöriger bestimmter Gruppen aus Basis eines Gruppenmerkmals Grundlage von Diskriminierung ist soziale Kategorisierung
  • Welche Formen von Vorurteilen gibt es und was versteht man unter ihnen? 1. Offene Vorurteile zB Traditioneller Rassismus (Schwarze = minderwertig) Rückgang offener Vorurteile 2. Subtile Vorurteile Verlagerung von Vorurteilen  auf subtile Formen Einbettung in soziale Normen und Alltagsleben "Moderner Rassismus" zB Überbetonung kultureller Differenzen, Verteidigung traditioneller Werte und Verweigerung positiver Gefühle -> Stereotype (Betonung auf kulturelle Eigenheiten) und Diskriminierung (Verweigerung von Gleichbehandlung)
  • Was ist Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (GMF; Heitmeyer,2012)? Vorurteile gegenüber verschiedenen Gruppen hängen miteinander zusammen zielt darauf ab feindselige Einstellungen zu Menschen unterschiedlicher sozialer, religiöser und ethnischer Herkunft sowie mit verschiedenen Lebensstilen in einer Gesellschaft zu erfassen und zu systematisieren Gemeinsamer Kern der Phänomene: Ideologie der Ungleichwertigkeit
  • Was versteht man unter "sozialer Kategorisierung"? = ein Erklärungsmodell für Vorurteile und Diskriminierung Kategorienwahrnehmung als Grundlage für Stereotype (Fremd-)Kategorien werden als homogen wahrgenommen Zuschreibung von Eigenschaften zu Kategorien, Übertragung auf Mitglieder der Kategorie
  • Was versteht man unter "sozialer Kategorisierung"? = ein Erklärungsmodell für Vorurteile und Diskriminierung Kategorienwahrnehmung als Grundlage für Stereotype (Fremd-)Kategorien werden als homogen wahrgenommen Zuschreibung von Eigenschaften zu Kategorien, Übertragung auf Mitglieder der Kategorie
  • Was ist Stereotype Accuracy? Teilweise zutreffende Stereotype auf Gruppenebene, aber fehlerhaft auf individueller Ebene z.B. Asiaten = fleißig,kompetent; Obdachlose = faul, inkompetent
  • Was sind individuelle und konsensuelle/kulturelle Stereotype? individuell: kognitive Struktur einer Person über Gruppen; kognitive Entlastung, Vereinfachung des Alltags konsensuell/kulturell: sozial geteiltes "Wissen" über Gruppen
  • Wie entstehen Stereotype? Übergeneralisierung von (schlechten) Beispielen, auch aus eigener Erfahrung                      -> Kernel of truth-Hypothese (S. nicht ohne Bezug zu Gruppe)-> selektive Wahrnehmung und Hypothesentestung (1. Ausländer klaut = alle kriminell, 1 deutscher klaut = nicht alle kriminell) Kommunikation von Stereotypen über Medienberichte, soziale Netzwerke Erlernen von Rollenverhalten (z.B Geschlechterrollen) "positive" Stereotype-> Überhöhte Erwartungen-> Zuschreibung positiver Eigenschaften -> Abwertung auf anderer Dimension) z.B Asiaten fleißig; Erwartungen nicht erfüllt? dann weitere Abwertung: Schwarze spielen gut Basketball aber sind nicht sehr schlau Stereotype sind funktional-> Verfügbarkeit wichtiger Informationen-> Fundamentale Wahrnehmungsdimensionen: Wärme und Kompetenz
  • Was ist die Aussage des "Stereotype Content Models" (Fiske et al. 2002)? SCM macht spezifische Vorhersagen darüber, welche Merkmale Fremdgruppenmitgliedern in Abhängigkeit von spezifischen Charakteristika der Intergruppenbeziehung zugeschrieben werden-> zwei inhaltliche Dimensionen: Wärme und Kompetenz Kompetenz niedrig/Wärme hoch: paternalistische Stereotype (Frauen, alte Menschen) Kompetenz niedrig/Wärme niedrig: verächtliche Stereotype (Sozialhilfeempfänger,Ausländer) Kompetenz hoch/Wärme niedrig: neidvolle Stereotype (asiatische Einwanderer, Juden) Kompetenz hoch/Wärme hoch: bewundernde Stereotype (Prominente,..)
  • Welche psychischen Störungen kann man den Dimensionen des SCM zuordnen? warm/inkompetent: Demenz, Intelligenzminderung kalt/inkompetent: Suchterkrankung, paranoide Störung, Schizophrenie warm/kompetent: sex. Funktionsstörung, Ess-und Angststörungen kalt/kompetent: Narzismus, Soziopath, Pädophilie
  • Was versteht man unter BIAS? systematische fehlerhafte Neigung beim Wahrnehmen, Erinnern, Denken und Urteilen (unter Einbeziehung der Aspekte „Geschlecht“ und „Kultur“)
  • Was ist die, auf Grundlage des SCM basierende, BIAS Map (Cuddy et al., 2007)? SCM- Struktur kulturell übergreifend gültig, anwendbar auf fast alle soz. Gruppen Differenzierung von generalisierten Vorurteilen: Spezifische Emotionen und Verhaltensweisen gegenüber Gruppen Vorhersagen von individuellem Verhalten gegenüber Mitgliedern sozialer Gruppen möglich (Diskriminierung)-> inkompetent: ausschließen-> warm: Hilfe-> kompetent: verbünden-> kalt: Aggression Stereotype -> spezifische Emotionen -> spezifisches Verhalten konsensuelle Stereotype bieten soziale Normen für Verhalten
  • Welche Erklärungsmodelle für Vorurteile und Diskriminierung gibt es? kognitive Prozesse: soziale Kategorisierung Gruppenbasierte Prozesse - Realistic Group Conflict Theory- Social Identity Theory- Integrated Threat Theory individuelle Unterschiede: Autoritarismus
  • Was ist die "Realistic Group Conflict Theory" (Sherif, 1961)? -> welches Design? -> was passierte in den einzelnen Phasen? = Erklärungsmodell für Vorurteile und Diskriminierung Ferienlagerexperiment: Wie wirken sich Wettbewerbe um begrenzte Ressourcen auf Intergruppenbeziehungen aus? Design: 20-24 weiße Jungen im Alter von 11-12 Jahren in 3 Ferienlagern, Dauer: 2,5Wochen 3 Phasen: Gruppenbildung (Rattlers und Eagles) Intergruppenkonflikt (Wettkämpfe) Ergebnis: Feindseligkeiten/Aggressionen zw. Gruppen, Beschimpfungen, Drohungen, geplante Überfälle, Überschätzung der Leistung der Eigengruppe (Abwertung der anderen Gruppe) Kofliktreduktion (gemeinsame Aktivitäten, zB Trinkwasserproblem, LKW im Schlamm)
  • Was sind die Ergebnisse der Realistic Group Conflict Theory (RCT)? Wettbewerb/Konkurrenzkampf um eine begrenzte Ressource (kann nur auf Kosten der anderen Gruppe erreicht werden) führt zu Feindseligkeit zw. den Gruppen Das Verhalten zwischen sozialen Gruppen wird bestimmt durch ihre funktionale Beziehung- negative InterdependenzReale Interessenkonflikte führen zu Feindseligkeiten und Abwertung zwischen soz. Gruppen- positive InterdependenzGemeinsame Interessen/Ziele führen zu positiven Einstellungen gegenüber der Fremdgruppe oder zumindest zur Abwesenheit von Feindseligkeit
  • Was versteht man unter sozialer Identität? Teil des Selbstkonzeptes, der sich aus der Mitgliedschaft in sozialen Gruppen und aus der Bedeutung dieser Mitgliedschaft ableitet Voraussetzung: Gruppenzugehörigkeiten müssen salient und relevant sein (Identifikation)
  • Was versteht man unter Salienz? bedeutet in der Psychologie, dass ein Reiz (z. B. ein Objekt oder eine Person) aus seinem Kontext hervorgehoben und dadurch dem Bewusstsein leichter zugänglich ist als ein nicht-salienter Reiz
  • Was besagt die Social Identity Theory (SIT)? Bedrohung des Selbstwerts durch Bedrohung der sozialen Identität im Vergleich mit anderen (relevanten) Gruppen mögliche Strategie: sozialer Wettbewerb -> Konflikt, Vorurteile, Diskriminierung wichtig: nicht aufgrund einer Bedrohung durch Ressourcenknappheit Starke Identifikation mit Eigengruppe kann zur Abwertung von Fremdgruppen führen
  • Was besagt die Integrated Threat Theory? = Erklärungsmodell für Vorurteile und Diskriminierung= eine Theorie, die versucht die Komponenten zu beschreiben, die eine wahrgenommene Bedrohung zwischen sozialen Gruppen verursachen und so zu Vorurteilen führen Grundlage: Annahme, dass Personen in der betrachteten Situation als Mitglieder einer Gruppe und nicht als einzelne Individuen handeln und denken Komponenten:1. Realistische Bedrohung: jegliche wahrgenommene Existenzbedrohung der Eigengruppe im Bezug auf das physische, materielle und ökonomische Wohlbefinden (zB wahrgenommener Wettbewerb)2. symbolische Bedrohung: entsteht durch wahrgenommene Konflikte zwischen den Werten, Normen, Überzeugungen und Weltbildern unterschiedlicher Gruppen.3. Intergruppenangst: entspricht einem Gefühl des Unbehagens und fehlender Leichtigkeit, wenn Mitglieder der Fremdgruppen anwesend sind
  • Was versteht man unter dem "Radfahrerprinzip"? = Nach oben buckeln, nach unten treten -> Gehorsam gegenüber Autoritäten-> Aggression gegenüber Abweichlern
  • Was bedeutet die Soziale Dominanzorientierung (SDO)? Ausmaß, in dem eine Person hierarchische Beziehungen zwischen Gruppen bevorzugt Aufrechterhaltung von hierarchischen sozialen Systemen über legitimierende Mythen (zB Rassismus, Sexismus, Nationalismus,..) SDO <-> legitimierende Mythen individueller Prädiktor für Vorurteile im Rahmen der Sozialen Dominanztheorie SDO-Skala: "Wenn eine bestimmte Gruppe unter sich bleiben würde, hätten wir weniger Probleme"
  • Wie wirkt Intergruppenkontakt auf Vorurteile? 3 Mediatoren von Intergruppenkontakt: Wissen, Angst, Empathie Effekt für Wissen schwächer als für die affektiven (Gefühle/Emotionen)Mediatoren > Intergruppenkontakt wirkt Intergruppenangst entgegen und schwächt somit Vorurteile ab> Intergruppenkontakt beeinflusst Empathie positiv und wirkt somit Vorurteilen entgegen
  • Zum Abbau von Vorurteilen hilft Intergruppenkontakt. Was versteht man darunter? optimale Kontaktbedingugen:- Potential zum Aufbau von Bekanntschaften- Gleicher Status während des Kontakts- Gemeinsames Ziel- Unterstützung durch Insitutionen (normatives Klima) positiver Intergruppenkontakt -> Verbesserung der Intergruppenbeziehungen Kontakt wirkt sich negativ auf Vorurteile aus (r=-.23) besonders effektive Form von positiven Kontakt: Intergruppenfreundschaften Was passiert bei Kontakt? Generalisierung vom Individuum auf die gesamte Fremdgruppe
  • Was versteht man unter Right-Wing-Authoritarianism (RWA) und wie entstand es? The Authoritarian Personality: emp. Ansatz zur Erklärung von Vorurteilen, F-Skala: 9 Dimensionen der autoritären Persönlichkeit Weiterentwicklung des Ansatzes durch Altemeyer: - 3 zentrale Dimensionen (autoritäre Unterwürfigkeit, Konventionalismus, autoritäre Aggression)- relativ stabiles Persönlichkeitsmerkmal, basierend auf Lernerfahrungen- RWA-Skala: "Was wir in unserem Land anstelle von mehr Bürgerrechten brauchen, ist eine anständige Portion Recht und Ordnung"
  • Was ist Prosoziales Verhalten? Hilfe, die nicht aufgrund einer Verpflichtung zur Hilfe gewährt wird
  • Was ist Altruismus? Prosoziales Verhalten ohne Erwartung extrinsischer Belohnung und mit dem obersten Ziel, der anderen Person zu nützen
  • Was besagt die Altruismus-Egoismus-Debatte? Empathie ruft altruistische Motivation hervor
  • Was mit dem Bystander-Effekt gemeint? Verantwortungsdiffusion, pluralistische Ignoranz, Bewertungsangst
  • Was ist eine soziale Gruppe? - eine Gruppe existiert, wenn zwei oder mehr Individuen sich als Mitglieder einer Gruppe verstehen Anwendbar auf Vielzahl von Gruppen (nationale Gruppen, Interessengruppen, ..) subjektives Kriterium, Betonung einer gemeinsamen Identität Abgrenzung zu anderen Gruppen
  • Warum schließen sich Menschen Gruppen an? Welche Funktionen haben Gruppen? Weil es evolutionsgeschichtlich einen überlebenswichtigen Vorteil darstellte um Dinge zu erreichen, die wir allein nicht erreichen können Aus einem Bedürfnis nach Zugehörigkeit heraus Um sich selbst zu definieren -> positive soziale Identität Funktionen von Gruppen: Aufgabenbezogene Gruppen Emotionale Nähe soziale Kategorisierung
  • Was versteht man unter dem Begriff "Entitativität"? Ausmaß, in dem eine Anzahl von Personen als kohärente, miteinander verbundene Einheit wahrgenommen wird
  • Welche Arten von Gruppen lassen sich unterscheiden? Gruppen mit emotionaler Nähe (Familie) Aufgabenbezogene Gruppen (Sportteam) soziale Kategorien (Frauen) Lockere Verbindungen (Kinopublikum)