Pädagogische Psychologie (Fach) / Intelligenz und Wissen (Lektion)
In dieser Lektion befinden sich 24 Karteikarten
1. Intelligenz: Geschichte und Def., Intelligenzmodelle (g-Faktor, primary mental abilities) 2. Wissen: Klassifikationen, deklarativ/ prozedural, tacit knownledge (=verstecktes Wissen) 3. Intelligenz und Wissen: triarchische Theorie, weitere Faktoren
Diese Lektion wurde von Reyhanz erstellt.
Diese Lektion ist leider nicht zum lernen freigegeben.
- Binet & Simon (1916): Intelligenz als Urteilsfähigkeit (Bedeutung der Fähigkeiten Gerichtetheit, Adaption, Kritik?) - Gerichtetheit: Was muss getan werden?- Adaption: Wie muss eine Aufgabe gelöst werden, Monitoring des Lösungsprozesses- Kritik: Fähigkeit, kritisch die eigenen Gedanken zu beurteilen
- 3 Bestandteile der Intelligenz nach Sternberg & Detterman (1986) - Fähigkeit, aus Erfahrungen zu lernen- Fähigkeit, sich an seine Umwelt anzupassen, Probleme zu lösen- Metakognition: Verständnis und Kontrolle über die eigenen Denkprozesse, Umgang mit Symbolen
- Definition von Intelligenz nach Sternberg und Williams (2007) Intelligenz als zielgerichtetes, adaptives Verhalten
- Wie ist der Zusammenhang von Intelligenz und Geschwindigkeit? Sternberg, Conway, Ketron, & Bernstein (1981): Alltagsverständnis von Geschwindigkeit und Intelligenz - Westliche Länder: hoher Zusammenhang zwischen Geschwindigkeit und Intelligenz (bspw. schlagfertig sein, schnell verstehen, lernt schnell, rasche Entscheidungen) - Südamerika: Intelligenz hängt nicht mit Geschwindigkeit zusammen--> Kontextabhängigkeit
- In wiefern spiegelt sich das Alltagsverständnis vom Zusammenhang zwischen Intelligenz und Geschwindigkeit in Intelligenztheorien wieder? (Was könnte daran problematisch sein?) - Sternberg, Kaufman, & Grigorenko, 2008: Alltagsverständnis spiegelt sich in Intelligenztheorien wider -Geschwindigkeit nimmt einen hohen Stellenwert in Intelligenztheorien und Messung ein (z. B. Jensen, 1998) - Nicht: Beachtung des Kontextes - Bspw.: Erfolgreiche Menschen (Schüler, Studierende, Physiker, Schachspieler) lassen sich mehr Zeit zur Planung des Lösungsprozesses
- Intelligenzmodell nach Spearman Intelligenz bildet sich aus:- Allgemeinem Faktor: G-> Testunabhängig- Spezifischen Faktoren: S-> Testabhängig G-Faktor:- Generelle kognitive Fähigkeit- Empirisches Phänomen: Eigenschaft, welche alle Arten von kognitiven Tests (mathematisch, verbal, räumlich, Verarbeitungsgeschwindigkeit, Wahrnehmungsgeschwindigkeit usw.) beeinflusst
- Hierarchische Intelligenzmodelle (Cattell & Horn, 1971) G-Faktor oberste Stufe, zwei untergeordnete Subfaktoren Subfaktoren = Gruppenfaktoren, die für Klassen von Aufgaben gebraucht werden - Fluide Intelligenz: Fähigkeit, abstrakte und neue Konzepte zu verstehenMessung über kognitive Fähigkeitstests (mathematisch, Verarbeitungsgeschwindigkeit usw.)Bspw.: Zahlenreihentests: 1,4,9,16,25 - Kristalline Intelligenz: Anhäufung von Wissen Messung über verbale oder allgemeine WissenstestsBspw.: Welche Bedeutung hat das Wort Kleiber?
- Intelligenzmodell von Thurstone (1938): Primary mental abilities 7 Primary Mental Abilities- Verbales Verständnis (Vokabular, Allgemeinwissen)- Verbale Flüssigkeit (Anfangsbuchstaben)- Induktives & deduktives Denken (Analogien, Reihen)- Räumliche Visualisierung (Mentale Rotation)- Zahlenverständnis (Rechnen, math. Problemlösen)- Gedächtnis (Worte, recall, Bilder)- Wahrnehmungsgeschwindigkeit (Unterschiede in Bildern erkennen) Hohe Interkorrelationen zwischen den einzelnen Fähigkeiten-> als G-Faktor interpretierbar
- Physiologische Korrelate vom G-Faktor der Intelligenz (Gehirngröße? Myelinisierung? Gehirngröße und Struktur:Korrelation von .1 - .5 zwischen Gehirngröße und g (für eine Übersicht, Ree & Carretta, 2002) Myelinisierung und g: Korrelation von .54 (Schultz, 1991)Myelin reduziert „noise“ im neuronalen System Weitere Faktoren: neuronale Verarbeitungsgeschwindigkeit, Glukose-Metabolismus im Gehirn
- Wie gut sagt der g-Faktor der Intelligenz akademischen Erfolg voraus? (Für Grundschule, Oberstufe, Uni?) Prädiktiver Wert von g-Wert für… (Jensen, 1980, 1998; Ree & Carretta, 2002)Grundschule: .6 -.7 Oberstufe: .5 - .6Universität: .4 - .5--> anscheinend nimmt der Einfluss immer weiter ab, je weiter man in der akademischen Karriere vorangeht
- Kann der g-Faktor Erfolg im Beruf vorhersagen? G-Faktor sagt auch Berufsleistung vorher (Kuncel et al., 2004) - Prädiktive Kraft variiert mit der Komplexität des Berufs, je komplexer der Beruf, desto stärker der Zusammenhang (.23 für Feldarbeiter bis .50 für Abteilungsleiter; Hunter, 1983) - Prädiktive Kraft ist meist geringer als für akademischen Erfolg (Sternberg et al. 1995)- Prädiktive Kraft ist vor allem stark für Anfangsleistung
- Typische Charakteristika akademischer Aufgaben (nach Neisser, 1976) (welche?) - Formuliert von anderen- Wenig bis kein intrinsisches Interesse an den Aufgaben- Alle notwendigen Informationen sind vorgegeben- Abgelöst von Alltagserfahrungen- Wohldefinierte Probleme- Eine richtige Antwort- Lösungsansatz vorgegeben
- Welche 3 Wissensarten gibt es (nach De Jong & Fergusson-Hessler, 1996) - Konzeptuelles Wissen: Fakten, Begriffe etc.- Prozedurales Wissen: Welche Handlungen führen zum Erfolg?- Strategisches Wissen: metakognitives Wissen, bspw. über Problemlösung
- Welche 5 Wissensmerkmale gibt es? (nach De Jong & Fergusson-Hessler, 1996) - Hierarchischer Status: oberflächlich versus tief- Innere Struktur: isoliert versus vernetzt - Automatisierungsgrad- Modalität: bildlich versus analytisch - Allgemeinheitsgrad: generell versus domänenspezifisch
- Welche Bedeutung hat Vorwissen für den Wissenserwerb? - Vorwissen ermöglicht effizientere Problemlösestrategien: vorwärts versus rückwärts - Vorwissen ermöglicht das verbesserte Identifizieren und Behalten von relevanten Informationen Vorwissen wichtigste Komponente für den Erwerb neuen Wissens:Bereichsspezifischer Wissensstand am Anfang des Schuljahres sagt Lernfortschritt am Ende des Schuljahres vorher (z.B. Mathematikleistungen in der 11. Klasse; Stern, 1997)
- Deklaratives Wissen vs. Prozedurales Wissen (Was wird typischerweise in der Ausbildung vermittelt? Welches ist anwendbar?) - Deklaratives Wissen wird vor allem in der Ausbildung vermittelt- Um Wissen anwendbar zu machen, muss deklaratives Wissen in prozedurales Wissen umgewandelt werden- Ersetzen von kapazitäts- und zeitaufwendiger Bearbeitung von Faktenwissen durch automatisierte Prozeduren
-
- ACT*-Theorie (Adaptive Control of Thought Theory, Anderson, 1982) (worauf bezieht sich die Theorie? Welche drei Stufen durchläuft der Prozess?) Theorie beschreibt Prozeduralisierung von Wissen 1. Deklarative Stufe: Erwerb von Faktenwissen2. Stufe der Kompilation: Deklaratives Wissen wird umgewandelt in prozedurales Wissen3. Stufe des Tuning: Feinabstimmung in der Praxis
- Prozeduralisierung von Wissen über Produktionsregeln (Wie?) Herstellung von Wenn-Dann Verknüpfungen im Gedächtnis
- Was ist Tacit Knowledge (Sternberg et al. 1995)? Was sind Merkmale von Tacit Knowledge? Tacit Knowledge ist die praktische Seite von Intelligenz / WissenMerkmale:- Prozedural: Know-how versus Know-that Abgespeichert in Produktionsregeln - Praktisch sinnvollInstrumentell zum Erreichen von ZielenWelche Handlungsweisen helfen mir, meine beruflichen Ziele zu erreichen? - Erwerb ohne die direkte Hilfe von anderenImplizite Regeln des Berufslebens
- Was sind die Grundannahmen über das Zusammenspiel von Intelligenz und Wissen? (Gruber & Stamouli, 2009) - Wissen allein nützt Menschen nicht viel, wenn sie nicht die Intelligenz besitzen, es anzuwenden- Intelligenz allein nützt Menschen wenig, wenn sie nicht das Wissen besitzen, um Intelligenz anzuwenden- Intelligenz und Wissen bedingen sich wechselseitig
- Triarchische Theorie der Intelligenz (welche 3 Fähigkeiten?) Kombination aus psychometrischer Intelligenzforschung und informationstheoretischer Wissensforschung - Analytische Fähigkeiten: analysieren, beurteilen, evalieren, vergleichen, usw.- Kreative Fähigkeiten: herstellen, entdecken, erfinden, vorstellen- Praktische Fähigkeiten: in die Praxis umsetzten, üben, anwenden, benutzen, usw.
- Position von Kuncel et al. 2004: Akademische Aufgaben komplexer als oftmals dargestellt (inwiefern?) - Umgehen mit widersprüchlichen Zielen- Koordinierung der Aufgaben mit Kommilitonen- Suchen nach zusätzlichen Informationen- Verhandeln mit den Dozenten - Undurchsichtige Universitätsstrukturen durchschauen- Viele Aufgaben haben nicht nur eine richtige Lösung
- Wie ist der Zusammenhang zwischen Akquirierung von Wissen und dem g-Faktor? Akquirierung von Wissen wird durch g-Faktor vorhergesagt:- Deklarativ (berufliches Wissen)- Prozedural (berufliche Fertigkeiten)
- Welche beiden Faktoren machen Menschen noch erfolgreich, außer Intelliegenz? - MotivationViele Befunde weisen darauf hin, dass Motivation/ Selbstregulation oftmals wichtiger als Intelligenz ist (z.B. Duckwort & Seligman, 2002). - Deliberate Practice (Charness et al., 2005)Herausragenden Leistungen in einer Domäne können gut durch die Stunden von deliberate practice vorhergesagt werden.In der Expertenforschung zeigen sich keine Unterschiede in der Intelligenz.
