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Pädagogische Psychologie (Fach) / Intuition (Lektion)

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  • intuitive vs überlegte Entscheidungensprozesse? Man unterscheidet 2 klassische kognitive Systeme: System 1: automatisch, unwillkürlich  (unwillentlich, unbewusst) und effizient: intuitive Entscheidungen System 2: kontrolliert, willkürlich (willentlich, bewusst) und benötigt Anstrengung: überlegte Entscheidung ( z.B. 17x24=?)
  • Wie erklärt der Forschungsansatz "Naturalistic Dicision Making (NDM)/Natürliche Entscheidungsprozesse die Verlässlichkeit von Intuitionen? Methoden: Feldforschung mit Experten: - CTA (Cognitiv Task Analysis - halbstrukturiertes Interview Ziel: von Experten lernen, die schwer artikulierbare Cues (=Hinweisreize)  durch  "tacit knownledge"nutzen Einstellung: positiv Ursprung: Expertise von Schachspielern (50.000-100.00 Muster im Gedächtnis) Der klassischen Entscheidungsforschung wird Realitätsferne („mismatch“) vorgeworfen. NDM: intuitive Entscheidungen durch: System 1: Lösungsvorschläge durch Lernerfahrung
  • Nenne zwei Beispiele für NDM, wo Experten schwer artikuliertere Cues und "tacit knownledge" nutzen und von denen man lernen kann? Beispiel 1: Feuerwehreinsatzleiter im Notfall: 1. Schritt: basierend auf Vorerfahrung und Training (tacit knownledge) generieren Einsatzleiter sofort eine Vorgehensweise 2. Schritt: Lösung wird durch mentale Simulation evaluiert. Forschungsbeispiel: Krankenschwestern auf einer Station für Neugeborene (Crandall & Getchell-Reiter, 1993) -schon vor einem Bluttest können viele Krankenschwestern aufgrund ihrer Erfahrung die Entwicklung von lebensbedrohlichen Infektion entdecken, aber sie können ihr wissen nicht artikulieren Indikatoren für Infektionen: Einige Krankenschwestern nannten paar Indikatoren/Hinweisreize, die in der medizinischen Literatur nicht bekannt waren. (z.B. die Augen eine andere Farbe) -halbstrukturierte Interviews (Critical Decision Method) können neue Hinweisreize und Muster entdecken -heute Bestandteil der Krankenschwesterausbildung 
  • Wie erklärt der Forschungsansatz Heuristics & Biases (HB) intuitive Entscheidungen? Ursprung: Therapieforschung (Meehl, 1954)/Problemlösungsansatz Methoden: Laboruntersuchung + Experimente (zum Teil mit Experten), nicht aus der Feldforschung Man stellte fest, dass einfache statistische Modelle Diagnosen besser vorhersagen als Experten. Es bestand eine Inkonsistenz/Unübereinstimmung zwischen Experten bei der Diagnose von Patienten. (=unzuverlässig) Illusion of Validity ( Illusion der Zuverlässigkeit/Gültigkeit):Experten waren sich sicher über ihre Entscheidung Oft benutzen Personen zur Problemlösung Heuristiken, die oft gut funktionieren, aber manchmal auch nicht. Es werden systematische Fehler gemacht, wenn Menschen Heuristiken anwenden. Sie können zu Trugschlüssen führen. Einstellung: skeptisch “In general these heuristics are quite useful, but sometimes they lead to severe and systematic errors” (Im allgemeinen sind Heuristiken recht nützlich, aber manchmal führen sie zu systematischen Fehlern) HB: intuitive Entscheidung durch Heuristiken
  • Welche Form von Heuristiken gibt es? Heuristiken: -Verfügbarkeitsheuristik -Repräsentativitätsheuristik -Anchoring -Über- und Unterzuversichtlichkeit -gambler’s fallacy (Bsp.: Wahrscheinlichkeit bei Münze werfen immer gleich 50% Kopf oder Zahl) -sunk-cost effekt (z.B. nur weiter investieren, weil vorher inverstiert, obwohl abbrechen sinnvoller wäre) -mental set/functional fixedness ( Prädisposition auf eine bestimmte Art zu denken. Man ist so darauf eingestellt eine bestimmte Strategie zu benutzen, dass einfachere Lösungen nicht einfallen, Beispiel: Krug-Wassermenge oder Dunchers Kerzenproblem)
  • Welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten der 2 Forschungsansätze (NDM und HB) zu Entscheidungsprozessen gibt es? 2. Unterschiede und Gemeinsamkeiten NDM System 1 (automatisch): Lösungsvorschläge durch Lernerfahrung HB System 1: Lösungsvorschläge durch Heuristiken beide: intuitive Entscheidungen NDM System 2 (kontrolliert): bewusstes Überprüfen durch mentale Simulation HB System 2: bewusste Entscheidung,  die System 1 überschreiben kann: überlegte Entscheidungen beide: überlegte Entscheidung
  • Wann sind Intuitionen verlässlich? Wie verlässlich sind intuitive Entscheidungen? Nenne Beispiele. Bedingungen, die Intuition verlässlich machen (Daniel Kahneman/Gary Klein) stellen viel Übereinstimmung/Gemeinsamkeiten beider Forschungsansätze trotz unterschiedlicher Sichtweise fest: NDM Ansatz verlässlich als HB Ansatz. Richtig wäre zu fragen, wann sind Intuitionen verlässig sind. Da scheinen beide Ansätze relativ gut übereinzustimmen, sie kommen beide zu dem Schluss: Wie verlässlich intuitive Entscheidungsurteile sind,  ist abhängig davon, ob es in der Umwelt zuverlässige/valide Cues/Hinweisreize gibt, die die handelnde Person erkennen könnte und der über ein relevantes Wissen darüber verfügt, damit eine verlässliche Vorhersage möglich ist. Das subjektive Gefühl, dass ihre Intuition schon richtig ist, ist kein valider Indikator dafür, ob eine Intuition verlässlich ist oder nicht. Nicht jede Umwelt gibt valide Hinweisreize. Intuitive Entscheidungen sind verlässlich, wenn 1. Die Umwelt bietet valide Cues bietet und  2. Menschen gelernt haben, diese Cues zu erkennen. Also, wenn es verlässliche Regelmäßigkeiten (valide Cues) in der Umwelt gibt, dann sind intuive Entscheidungen verlässlich. Beispiel 1: Indikatoren für das Einstürzen eines Hauses: Feuerwehrmann „Fußsohle wird heiß (=Hinweisreiz), ohne Bewusstsein löst dieser Reiz die Entscheidung aus. Beispiel 2: Indikatoren für eine Infektion ( Medizin) Wenn es keine verlässliche oder wenige Regelmäßigkeiten (valide Cues) in der Umwelt gibt, dann sind intuitive Entscheidungen nicht oder weniger verlässlich. Beispiele: Aussagen über langfristige politische Ereignisse oder über langfristige Entwicklung von Aktienkursen: keine Hinweisreize vorhanden, um Vorhersagen zu können. Die Zuverlässigkeit von Vorhersagen zur Langzeitentwicklung von Politik und Wirtschaft unterscheiden sich nicht zwischen Experten und untrainierten Zeitungslesern. Also, keine Unterschiede, da keine verlässlichen Hinweisreize vorhanden. Die Umwelt ist zu komplex, daher Lösung unmöglich.
  • Was bedeutet "wicked environments"? Umwelten, die falsche Intuition begünstigen. Beispiel: Das Ausbrechen einer Typhuserkrankung bei Patienten Anfang des 20. Jahrhunderts. Das Abtasten der Zunge wurde fälschlicher Weise als Hinweisreiz betrachtet, dabei wurde wahrscheinlich erst "dadurch die Krankheit übertragen.
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  • Nach Schanteau, 1992 haben welche Berufe hohe bzw. niedrige Verlässlichkeit von Intuitionen und wovon ist die professionelle Intuition abhängig? Was zeichnet wahre Expertise aus? Professionelle Intuitionen ist abhängig von der Gelegenheit zum Lernen: -Schachspieler müssen ca. 10.000 Stunden Schach spielen, um valide Intuitionen zu entwickeln -Krankenschwester müssen genügend Kinder sehen, um Infektionen frühzeitig zu erkennen -usw. Heutzutage ist Lernen von Hinweisreizen: zentrales Ziel der Ausbildung. Berufe mit hoher bzw. niedriger Verlässlichkeit von Intuitionen nach Shanteau, 1992. Hohe Verlässigkeit: Beurteilung v. Viehbestand, Astronauten, Physiker, Testpiloten, Mathematiker, Schachspieler, Versicherungsanalysten Niedrige Verlässlichkeit: Börsenmakler, klinische Psychologen, Psychiater, Universitätszulassungen (viel in USA), Strafrichter, Geheimdienst Es gibt in den verschieden Berufen Unterschiede in der Vorhersagbarkeit, Verfügbarkeit von Feedback und in der Gelegenheit zum Lernen von Hinweisreizen. Nach Sachteau (1992) gibt es auch einige Berufe mit hohen Intuitionen und mit niedriger Verlässlichkeit, z.B. Allgemeinärzte und Krankenschwestern. Das bezeichnet er als "Fractinated Expertise" Demnach werden Standardprobleme gut gelöst, aber außergewöhnliche Probleme schlecht, weil es an Gelegenheit zum Lernen mangelt. Wahre Expertise zeigt sich, wenn der Experte erkennt, dass die Situation Unregelmäßigkeiten aufweist und ein valides Urteil nicht möglich ist. Der Laie erkennt es oft nicht.
  • Wie kommt es nach Kahneman & Klein (2009) zu falschen Intuitionen? Kahneman & Klein, 2009 kommen zu dem Schluss, dass die meisten intuitiven Entscheidungen aus System 1 (NDM), die auf Lösungsvorschläge durch Lernerfahrung basieren,  angemessen sind. Aber: Auch Experten haben Intuitionen, die verlässlich erscheinen, aber wo Entscheidungen getroffen worden, ohne dass Hinweisreize erkannt wurden. Intuitive Entscheidungen aus System 1 (HB), die auf Lösungsvorschläge durch Heuristiken  basieren (=informelle, intuitive, oft spekulative Strategien) können zur richtigen Lösung führen, müssen aber nicht. Heuristiken können zu falschen Intuitionen führen und uns in die Irre führen.
  • 15. Wie kommt es zu falschen Intuitionen, die uns in die Irre führen? Gib ein Beispiel an. Die Lösung, die sofort ins Bewusstsein kommt, ist 10 Cent. Wie generiert System1 (=automatisch,unwillkürlich (unwillentlich, unbewusst), effizient) Intuitionen? Die Hinweisreize „1 Euro“/ „10 Cent“, daher schneller Lösungsvorschlag: 10 Cent= intuitive falsche Entscheidung Wenn wir Zeit haben, kann uns System 2 ( kontrolliert, willkürlich (willentlich, bewusst), benötigt Anstrengung) auf die richtige Spur bringen, da wir Zeit zur bewussten Überprüfung der Lösung haben.  Lösung: 5 Cent= durch bewusstes Überpfüfen richtige Entscheidung
  • Wie lassen sich bei Einschätzungsaufgaben falsche Intuitionen bei Anwendung von Verfügbarkeitsheuristen erklären?Wie kommt es zur Überschätzung/Unterschätzung?Nenne ein Bespiel: Beispiel: Wie hoch schätzen sie die Wahrscheinlichkeit ein, durch einen der folgenden Ursachen zu sterben? -Tornado -Feuerwerk -Asthma -Schwimmbecken Es kommt zur Überschätzung/Unterschätzung: Weitaus mehr Menschen sterben durch Asthma oder Ertrinken.  mögliche Erklärung: Tornado oder Feuerwerk ist viel stärker präsent, z.B. in den Medien, also verfügbar, daher wird oft falsch angenommen/geschätzt, dass die Wahrscheinlichkeit durch einen Tornado oder durch einen Feuerwerk zu sterben größer ist.
  • Wie kommt es bei Einschätzungssaufgaben zu falschen Intuitionen, wenn dabei Repräsentativitätsheuristiken angewendet werden? Nenne ein Beispiel: Beispiel: Tom liest gern und hat eine Brille. Wie wahrscheinlich ist es, dass Tom folgende Fächer studiert: Jura oder Bibliothekswissenschaften? Oft falsche Lösung/Antwort: Bibliothekswissenschaften. Dabei ist es viel wahrscheinlicher, dass Tom Jura studiert, weil mehr Leute Jura studieren und sehr wenige Bibliothekswissenschaften.
  • Auf welche Art und Weise beeinflusst das so genannte "Anchoring-Phänomen" bei Schätzungsaufgaben unser Urteil? Nenne ein Beispiel: Schätzaufgabe: Den durchschnittlichen Preis von deutschen Autos schätzen Frage1: Liegt der durchschnittliche Preis von deutschen Autos über oder unter 100.000 €? Frage 2: Wie teuer sind deutsche Autos im Durchschnitt? 
 Frage 3: Liegt der durchschnittliche Preis von deutschen Autos über oder 
unter 30.000 €? 
 Frage 4: Wie teuer sind deutsche Autos im Durchschnitt? 
 Zusammenspiel von (intuitive) System 1 (Vorselektion der Autos ) und (bewusste) System 2 (bestimmt die Schätzung des durchschnittlichen Preises). Das was grad aktiviert ist, beeinflusst unser Urteil. Bei Schätzungen, wo bestimmte Informationen aktiviert werden, obwohl die Frage die gleiche ist, wird unser Urteil dadurch beeinflusst. Ergebnis der Versuche: Nach Frage 1 wurde der Durchschnittspreis auf Frage 2 höher eingeschätzt als wenn man Frage 3 zuerst stellte und dann die Frage 2: Hier schätzen die VP den Preis wesentlich niedriger ein.
  • Was versteht man unter "mentale Konstruktion der Situation"? Menschen reagieren nicht auf die Umwelt per se, sondern auf die mentale Repräsentation der Umwelt. Nach Schwarz (2014) gibt es 2 Prozesse , wie die Umwelt konstruiert wird. 1. Welche Informationen in der Umwelt sind zugänglich? Was kommt überhaupt ins Bewusstsein? 2. Wie werden diese Informationen genutzt? Wie wirken sie sich im Bewusstsein aus? Die Umwelt wird zum Einen durch zugänglichen Informationen, die ins Bewusstsein kommen und zum Anderen durch das Nutzung dieser Informationen und ihrer Auswirkung im Bewusstsein konstruiert. Zugänglichkeit von Informationen (Verfügbarkeitsheuristik)
  • Was erklärt das "Donald-Paradigma"?  Klassische Studie von Higgens, Rholes & Jones (1970) Das Donald-Paradigma: 1. Priming: Konzept mutig vs. verantwortungslos 2. Szenario: VP lesen einen Absatz darüber, wie Donald mit einem kleinen Boot über den Atlantik segelt, was ein ambivalentes Befangen ist. 3. Vpn beurteilen Donald Ergebnis: Die Vpn, die vorher mit Konzepten auf „mutig“ geprimt wurden, haben Donald als eher mutig beurteilt und umgekehrt die anderen Vpn Donald als verantwortungslos. Durch Priming wurde vorheriger Situation beeinflusst: Wenn den Vpn die Priming-Stimuli unbewusst waren: Beurteilung wird durch das Konzept beeinflusst Wenn die Priming-Stimuli bewusst: Beurteilung/Korrektur d.h wenn Vpn merken, dass sie beeinflusst werden sollen, versuchen sie ihre Urteile zu korrigieren, aber durch Fehlen von Standards kommt es zur Überkorrektur (ändern ihre erst gedachte Antwort, z.B. „verantwortungslos“ und antworten „mutig“).
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