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Pädagogische Psychologie (Fach) / 3 Erfassen von Leistungen und Notenhebungen (Lektion)
Erfassen von Leistungen und Notenhebungen
Diese Lektion wurde von AnnaCy erstellt.
Diese Lektion ist leider nicht zum lernen freigegeben.
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- Formative und summative Leistungserfassung Formative Leistungserfassung: Testen ohne Benotung/Konsequenzen vor oder während des Unterrichts, zur Leistungsdiagnostik und adaptiven Unterrichtsgestaltung (low-stakes-testing) •Vortest: Formativer Test zur Erfassung von Wissen, Vorbereitungsgrad und Fähigkeiten der Schüler •Diagnostischer Leistungstest: Formativer Test, um die vorhandenen Schwächen der Schüler festzustellen; kann spezielle Lernprobleme aufdecken Summative Leistungserfassung: Testen nach Beendigung der Unterrichtseinheit zur Erfassung des erreichten Leistungsstandes (oft: high-stakes-testing)
- Möglichkeiten traditioneller Leistungserfassung •Planen von Tests •Objektives Testen •Offene Fragen •Vor- und Nachteile verschiedener Formen von Testaufgaben
- Wann soll getestet werden? •Häufiges Testen regt dazu an, Informationen zu behalten und scheint effektiver zu sein als eine vergleichbar lange Zeit mit Lernen und Wiederholen zu verbringen. •Tests fördern das Lernen besonders gut, wenn die Wissensüberprüfung gleich nach dem Lernen stattfindet und dann noch einmal später. Die Testwiederholung sollte zunehmend weiter auseinanderliegen. •Der Gebrauch von kumulativen Fragen in einem Test ist der Schlüssel zum effektiven Lernen. Kumulative Fragen fordern von Schülern, ihr erworbenes Wissen in einem neuen Problemlösevorgang anzuwenden.
- Tests einsetzen zur Gestaltung des Unterrichts Gestaltungs-möglichkeit : Was sollte überhaupt unterrichtet werden? Strategien der Leistungserfassung :Vortest vor Unterrichtseinheit Gestaltungsoption :Soll der Unterricht auf bestimmte Teilziele hin ausgerichtet sein? Gestaltungs-möglichkeit :Wie lange sollte eine Unterrichtseinheit dauern? Strategien der Leistungserfassung :Zwischentests während der Unterrichtseinheit Gestaltungsoption : Sollte der Unterricht auf ein bestimmtes Teilziel hin abgebrochen oder fortgeführt werden für einen Schüler oder für die ganze Klasse? Gestaltungs-möglichkeit : Wie effektiv war eine Serie von Unterrichtsstunden? Strategien der Leistungserfassung :Vergleich der Vortest- mit den Abschlusstest-ergebnissen Gestaltungsoption : Soll eine bestimmte Serie von Unterrichtsstunden beibehalten, verworfen oder verändert werden?
- Objektives Testen •„objektiv“ im Sinne von „nicht subjektiv“, d.h. die Auswertung von objektiven Testaufgaben erfordert keine Interpretation. •Welche objektiven Testformate kennen Sie? Ergänzungs-test Richtig – Falsch Zuordnen Multiple Choice
- Aus welchen Komponenten setzen sich Multiple Choice-Antworten zusammen? Struktur von Mehrfachwahlantworten : Aufgabenstamm Attraktor(en) Distraktor(en)
- Offene Fragen Wichtig: klare und präzise Aufgabenstellung! •Schüler sollten wissen, wie breit sie antworten können und wie viel Zeit sie auf eine Antwort verwenden können. •Zeitbegrenzungen sollten für jede Frage einzeln angegeben werden. •Zeitdruck erhöht die Testangst und verringert die objektive Erfassung der Leistungen.
- Vor- und Nachteile verschiedener Antwortformate Ergänzungen : -Vorteil: •Abfrage von vielen Tatsachen in kurzer Zeit möglich •gut für Mathematik -Nachteil: •schwierig für komplexe Lernprozesse •oft mehrdeutig Aufsatz/Offen : -Vorteil:•kann komplexes Lernen, Denkprozesse und Kreativität testen -Nachteil: •Objektivität schwierig •hoher Zeitbedarf Richtig/Falsch : -Vorteil:•viele Fakten werden in kurzer Zeit getestet •einfache Auswertung •hohe Objektivität -Nachteil:•schwierig für komplexe Lernprozesse •hohe Ratewahr-scheinlichkeit Zuordnen -Vorteil:•gut zum Test von Assoziationen & Wiedererkennen von Fakten •hohe Objektivität -Nachteil:•Aufgabenkonstruktion schwierig Multiple-Choice -Vorteil:•testet Lernergebnisse auf allen Komplexitätsniveaus •Hohe Objektivität •Zeiteffizient •Leichte Auswertung -Nachteil:•Aufgabenkonstruktion schwierig •leicht erhöhte Ratewahrscheinlichkeit
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- Alternativen zu traditioneller Leistungserfassung •Leistungserfassung mit alltagsnahen Aufgaben im Unterricht •Sammelmappen •Ausstellungen •Informelle Leistungserfassung
- Nennen Sie eine Alternative zur traditionellen Leistungserfassung und erläutern sie diese kurz Leistungserfassung mit alltagsnahen Aufgaben im Unterricht •Fordert von Lernenden ihre Fertigkeiten und Fähigkeiten wie im Alltag einzusetzen, z.B. Bruchrechnung am Beispiel von Rezepten. •Leistungserfassung durch Aufführungen oder Herstellen eines Produktes –ist eine Form des Testens, die von den Lernenden die Ausführung einer Handlung oder die Herstellung eines Produktes verlangt, damit der Nachweis von Lernen möglich ist (nach Airasian, 2005)
- Sammelmappen oder Portfolios Definition: Eine Sammlung von Werken eines Schülers, die seine Lernfortschritte, seine Selbstreflektion und seinen Leistungsstand zeigt. WiSe 2015/2016 Pädagogische Psychologie II 32 •Arbeitsportfolio / Arbeitsmappe: Dokumentation von Lernfortschritten •Portfolio mit gelungenen abgeschlossenen Arbeiten / Sammelmappen mit Bestleistungen: Dokumentation von neuem Leistungsstand
- Ausstellungen •Definition: Ein Leistungstest, bei dem etwas ausgeführt werden muss. Sie soll Lernfortschritte einer Öffentlichkeit vorstellen und benötigt viel Vorbereitungszeit. •Erfordert –Berücksichtigung der Öffentlichkeit –Kommunikation und Verstehen als wesentliche Bestandteile
- Bewertung von Sammelmappen und Ausstellungen •Wertpunkte bei Beurteilungsskalen: Regeln, die zur Beurteilung der Qualität einer Darbietung dienen (Mabry, 1999) •Beurteilungsskalen können auch partizipativ mit Beteiligung der Schüler entwickelt & angewendet werden ( erhöht die Schüler-motivation für die Leistungserfassung). •Verschiedene Beurteilungsskalen möglich: Numerisch, grafisch, deskriptiv
- Informelle Leistungserfassung •Definition: Formative Leistungserfassung ohne Benotung, die aus verschiedenen Quellen Informationen gewinnen soll und die sich für Entscheidungen des Lehrers als sehr nützlich erweisen kann. •Beispiele: Beobachtungen, Protokolle, Befragungen, Tage- & Logbücher, Selbstbeurteilungen
- Auswirkungen von Misserfolg •Kann Selbstbild als nicht erfolgreicher Schüler prägen und festigen. •ABER: Herausforderungen effizienter für die Lernergebnisse als leichte Erfolge •Je fähiger die Schüler sind, desto wichtiger ist es, sie „erfolgreich“ mit Misserfolgen zu konfrontieren •„Sitzenbleiben“ kann das Risiko für langfristig nachteilige Konsequenzen deutlich erhöhen, z.B. Schulabbruch, mehr Arreststrafen, keine oder weniger gute Arbeitsangebote, geringer Selbstwert. Was spricht dafür? Was wären bessere Interventionen?
- Auswirkungen von Rückmeldungen Wichtig: Hilfe bei der Fehleranalyse, damit die gleichen Fehler nicht nochmal gemacht werden! Vier zentrale Frage als Leitlinien: 1.Was ist der Kernfehler? 2.Was ist wahrscheinlich der Grund für den Fehler des Schülers? 3.Wie kann ich den Schüler beraten, dass er diesen Fehler nicht wieder begeht? 4.Was hat der Schüler für positive Leistungsaspekte geliefert, die entsprechend gewürdigt werden können?
- Notengebung und Motivation: Die Nachteile von Noten verringern •Vermeiden Sie es, nur solche Ideen gut zu benoten oder zu loben, die mit den Ihrigen übereinstimmen oder denen im Schulbuch ähneln. •Stellen Sie sicher, dass jeder Schüler eine vernünftige Chance hat, Erfolg in der Schule zu haben, besonders zu Beginn einer neuen Aufgabe. •Mündliche und schriftliche Rückmeldungen sollten sich die Waage halten. •Noten sollten so sinnvoll wie möglich sein. •Gründen Sie die Noten auf mehr als nur ein Kriterium. WiSe 2015/
- Noten und Zeugnisse •Kriteriums- vs. normorientiertes Notensystem •Das Punktesystem und das Benoten mit Prozenträngen •Vertragssystem und Beurteilungsskalen •Weitere Probleme bei der Benotung…
- worin liegt der Unterschied zwischen einem normorientierten und einem kriteriumsorientierten Notensystem? Normorientiert:Definition: die Note wird nach dem Platz vergeben, den ein Schüler im Vergleich zu den anderen Schülern hat. –Führt zu erhöhtem Wettbewerbsdruck und hat somit eher negative Konsequenzen für das Lernklima und die Motivation. –Anzahl der möglichen guten Noten ist eingeschränkt. –Je mehr sich die Einzelleistungen tatsächlich normal verteilen, umso weniger erfolgreich ist der Unterricht. Kriteriumsorientiert: Definition: Es wird erfasst, inwieweit die einzelne Leistung eines Schülers den Unterrichtszielen / dem Kriterium entspricht. –Klarer Bezug zu den Unterrichtszielen / dem Kriterium –Keine Begrenzung für die Anzahl der möglichen guten Noten –Ermöglicht differenzierte Rückmeldung in Bezug auf das Kriterium (can do statements) und ggf. Diagnostik von Förderungsbedarfen
- Das Punktesystem und das Benoten mit Prozentangaben •Wie viel % der Lerninhalte werden von dem Schüler beherrscht? •Festlegen der Bereichsgrenzen, z.B. 90-100% = 1, oder 95-100% = 1 •Mitteln der Testergebnisse für Zeugnisnote •Keine festgelegten Standards zur Übertragung der Punkt- oder Prozentwerte in Notenskala •Täuscht u.U. feinere Differenzierung vor, als tatsächlich möglich
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- Vertragssystem und Beurteilungsskalen •Das Vertragssystem definiert für die ganze Klasse die Art, Quantität und Qualität der Arbeit für jede Notenstufe. •Die Schüler stimmen den Bedingungen zu, die sie für eine bestimmte Note erfüllen müssen. –Lässt noch viel Spielraum für subjektive Beurteilungen (z.B. was ist befriedigende oder sehr gute Leistung?) –Mindert die Angst vor Bewertung / Benotung –Überarbeitungschance kann eingebaut werden: Akzeptiert = 75 Pkt., + = 90 Pkt., + nach Überarbeitung = 85 Pkt.
- Beispiel: Vertragssystem Note 6 fehlt häufig und gibt Arbeiten nicht ab Note 5 fehlt manchmal und gibt unvollständige oder fehlerhafte Arbeiten verspätet ab Note 4 ist regelmäßig anwesend, gibt Arbeiten pünktlich ab Note 3 ist regelmäßig anwesend, gibt Arbeiten pünktlich ab, Arbeit wird als befriedigend akzeptiert Note 2 ist regelmäßig anwesend, gibt Arbeiten pünktlich ab, Arbeit wird als befriedigend, mind. drei der Aufgaben aber als sehr gut akzeptiert Note 1 ist regelmäßig anwesend, gibt Arbeiten pünktlich ab, Arbeit wird als befriedigend, mind. drei der Aufgaben aber als sehr gut akzeptiert; zusätzlich wird eine Buchbesprechung aus der ergänzenden Lektüre abgeliefert
- Weitere Probleme bei der Benotung … •Noten für Bemühen und Fortschritte Individuelle Lernerwartungen (ILE): Mit diesem System können sich Schüler Punkte für Verbesserungen verdienen, wenn sie Leistungen über ihrem eigenen Durchschnittswert zeigen oder die Höchstpunktzahl erreichen. Die Verbesserungspunkte können auf Gesamtnote angerechnet werden oder in Form von lobenden Kommentaren anerkannt werden. •Vorsicht beim Fairsein –Urteilsverzerrungen (z.B. Halo-Effekt) –Konfundierung durch andere Faktoren (z.B. unklare Instruktion, Zeitdruck …)
- Jenseits von Noten: Kommunikation mit Familien •Zu Beginn des Schuljahres: Bericht oder Jahrbuch über die wichtigen Ereignisse des kommenden Schuljahres, in denen Hausaufgaben, Verhalten und Notengebung erläutert werden. •Anmerkungen an Zeugnisse anhängen •Telefonanrufe, besonders solche mit guten Nachrichten •Tag der offenen Tür in der Schule •Besprechungen (auch mit Schülervorsitz) •Sammelmappen oder Ausstellungen •Schul- oder Klassen-Webseiten •… ???
- Beschreiben Sie drei Standards der optimalen Leistungserfassung im Rahmen pädagogischer und psychologischer Tests •Die Leistungserfassung sollte so fair wie möglich sein für Schüler beiderlei Geschlechts, verschiedener kultureller und ethnischer Herkunft! •Leistungserfassung sollte sich nur auf den Unterricht beziehen und nicht auf Hintergrundwissen! •Leistungserfassung sollte möglichst sprachunabhängig sein, es sei denn, es soll sprachliche Kompetenz getestet werden!
- Anforderungen an die Lehrenden Lehrende sollten … •sich der Unterschiede bei seinen Schülern bewusst sein und diese berücksichtigen. •klare Lernergebnisse festsetzen. •Vortests und formative Leistungserfassung einsetzen, um den Lernfortschritt der Schüler im Hinblick auf die Lernziele zu begleiten. •den Unterricht auf vielfältige Weise anpasst, um so weit wie möglich sicherzustellen, dass jeder Schüler weiterhin Fortschritte macht. •sich vergewissern, dass die Schüler die Kriterien für ein erfolgreiches Abschneiden in der summativen Leistungserfassung kennen. Diese Kriterien stimmen mit den erklärten Lernzielen überein. •verschiedene Formen der Leistungserfassung vorbereitet, um sicherzugehen, dass jeder Schüler eine Form des Testens angeboten erhält, die ihm erlaubt zu zeigen, was er gelernt hat.
- Erläutern Sie kurz einen Vorteil und einen Nachteil des „Sitzenbleibens“. Nachteil: -> •„Sitzenbleiben“ kann das Risiko für langfristig nachteilige Konsequenzen deutlich erhöhen, z.B. Schulabbruch, mehr Arreststrafen, keine oder weniger gute Arbeitsangebote, geringer Selbstwert Vorteil: -> auf dem selben NIveau lernen -> Motivation für Leistungssteigerung -> mehr Anstrengung -> Möglichkeit Lernstoff verinnerlichen -> Chance, das was verpasst wurde nachzuholen
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