Pädagogische Psychologie (Fach) / Gedächtnis, Intelligenz und Vorwissen (Lektion)

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Gedächtnis, Intelligenz und Vorwissen

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  • Modelle "Guter Lerner" ·         Erfolgreiches Lernen: Interindividuelle Unterschiede + Intraindividuelle Variabilität 1.    Das Modell der guten Informationsverarbeitung: GIV (Pressley, Borkowski und Schneider, 1989) ·         Checkliste erfolgreich Lernender 2.    Das Modell individueller Voraussetzungen: INVO-Modell (Hasselhorn und Gold, 2013) ·         Erweiterung, um auch intraindividuelle Schwankungen zu erklären
  • GIV-Modell: Modell der Guten Informationsverarbeitung Aufmerksamkeits- und Arbeitsgedächtnisfunktion Vorwissen Lernstrategien Motivationale Dispositionen Selbstkonzepte ·         planen ihr Lernverhalten. ·         nutzen effizient Lernstrategien. ·         wissen, wie, wann und warum solche Strategien einzusetzen sind. ·         sind motiviert, diese Strategien einzusetzen. ·         nutzen Lernstrategien zunehmend automatisch. ·         überwachen ihre Lern-und Leistungsfortschritte. ·         reflektieren ihr Lernverhalten. ·         verfügen über ein Arbeitsgedächtnis mit hoher Kapazität. ·         verfügen über ein reichhaltiges Weltwissen. ·         vertrauen ihren Lernfähigkeiten. ·         sind davon überzeugt, dass sie sich stets weiter verbessern können und halten dies auch für wünschenswert. ·         stellen sich immer wieder neuen Anforderungen.    
  • INVO-Modell: Modell der individuellen Voraussetzungen erfolgreichen Lernens ·         Erweiterung des GIV-Modells um: Willensbildung (Volition) und Emotionen Grundlage: Perspektive der guten Informationsverarbeitung, basiert auf Reihe individueller Voraussetzungen: INVO-Modell, Ausgangspunkt zur: Beschreibung, Erklärung, Optimierung von Lernprozessen ·         Individuelle Voraussetzungen o   Selektive Aufmerksamkeit und Arbeitsgedächtnis o   Motivation und Selbstkonzept o   Volition und lernbegleitende Emotionen o   Strategien und metakognitive Regulation o   Vorwissen
  • Aufmerksamkeit und Gedächtnis Zugrunde liegende Perspektive: Lernen als Wissenserwerb Informationsverlust aufgrund begrenzter Kapazität und nachdrängender Information --> Qualität der Informationsverarbeitung von Steuerung und Qualität der Aufmerksamkeitsprozesse abhängig
  • Theorien der Aufmerksamkeit ·         Filtertheorie der Aufmerksamkeit, zwei Filterarten (Broadbent, 1958) o   Reizmerkmale (Bottom up) o   Ziele und Vorwissen der Informationsaufnahme (Top down) ·         Zwei-Prozess-Theorie der selektiven Aufmerksamkeit (Neisser, 1967) o   Diskriminationsprozess: Sind Reize relevant oder nicht? o   Prozess der Zuweisung der Aufmerksamkeit auf als relevant eingestufte Informationsmerkmale
  • Cocktailpartyphänomen ·         Peter kann sich solange gut mit anderen Menschen auf einer Party unterhalten, bis sein Name in einer anderen Gruppe erwähnt wird; dann können andere Reiz bzw. der Reiz „Peter“ nicht mehr ausgeblendet werden Experiment von Wood und Cowan o Worte erinnern, während Name eingespielt wird -> Erinnerungsleistung sinkt, wenn Name eingespielt wird (Aufmerksamkeit kann nicht auf beide Seiten gleichzeitig gelenkt werden) Differentieller Effekt: gilt für etwa ein Drittel der VPn, insbesondere bei geringer Arbeitsgedächtnisspanne
  • Gedächtnisspanne „Individuelle Gedächtnisspanne einer Person ist definiert durch die maximale Anzahl von Items, die im Anschluss an eine einmalige Darbietung in der vorgegebenen Reihenfolge wiedergegeben werden kann.“ (Hasselhorn & Gold, 2013, S.74). In der Regel: 7 (+/-) Einheiten.    
  • Typische Funktionen des Arbeitsgedächtnis Nutzung von Srategien und Kontrollprozessen! Ziel: Lernfortschritt optimieren und späteren Abruf von Informationen aus dem Gedächtnis erleichtern Internes kognitives System: ermöglicht es, mehrere Informationen vorübergehend bewusst zu halten und zueinander in Beziehung zu setzen, Vorstellung von 9 Speicherplätzen hierfür zu statisch Individuelle Unterschiede in der Gedächtnisspanne auch erklärbar durch prozessurale Merkmale des AG: Wie schnell kann dargebotene Information wahrgenommen werden? Wie schnell kann dargebotene Information nachgesprochen werden?
  • Modell Baddeley und Hitch: Arbeitsgedächtnis Zentrale Exekutive Visuell-räumlicher Notizblock Episodischer Puffer Phonologische Schleife Visuelle Semantik Episodisches Langzeitgedächtnis Sprache Aufgabe Arbeitsgedächtnis: Integration der Informationen aus den Hilfssystemen und dem Langzeitgedächtnis
  • Visuell räumliches Arbeitsgedächtnis - Inner Scribe §  Behalten räumlicher Bewegungen (Corsi Block Aufgaben) ·         Untersuchungsleiter tippt einzelne Blöcke in vorgegebener Reihenfolge im Sekundenrhythmus an ·         Unmittelbar anschließend muss Reihenfolge von VPn repliziert werden ·         Steigerung der Anzahl angetippter Blöcke bis fehlerfreie Wiedergabe nicht mehr möglich  
  • Visuell räumliches Arbeitsgedächtnis - Visual Cache §  Behalten visueller Muster (Musterrekonstruktionsaufgabe) ·         Dargebotene Muster unterschiedlich komplex ·         Darbietungszeit steigt mit Anzahl geschwärzter Kästchen ·         Im Anschluss an Darbietung zeichnen VPn Muster auf weißer Matrizenvorlage nach ·         Steigerung der Anzahl der schwarzen Felder, bis korrekte Wiedergabe nicht mehr möglich ist
  • Phonologisches Arbeitsgedächtnis o   Kann klangliche Informationsmerkmale für 1,5-2 Sekunden halten o   Wichtiger als Anzahl der items: Zeitspanne der Darbietung o   Nach 2 Sekunden werden Informationen überschrieben o   Problem: viele Sätze länger als 2 Sekunden o   Lösung: subvokaler Kontrollprozess §  Inneres Nachsprechen §  Wortlängeneffekt: Gedächtnisspannenaufgabe besser lösbar bei kurzen Worten, bedeutsam hier: Artikulationsgeschwindigkeit Zwei-Komponenten Modell des phonologischen Arbeitsgedächtnisses: Phonetischer Speicher (Größe) + Rehearsal (Verarbeitungspräzision, Automatisierunggrad derAktivierung, Geschwindigkeit)
  • Zentral-exekutive Funktionen (nach Baddeley, 1996) o   Intelligente Nutzung der Hilfssysteme und ihrer Verarbeitungsmöglichkeiten §  Koordinationskapazität §  Flexibilität beim Wechsel von Abrufstrategien §  Selektive Fokussierung relevanter Information §  Selektive Aktivierung von Wissensinhalten
  • Rolle des Vorwissens Bedingung für Lernen: Vorwissen -> erzeugt: Lernen -> erzeugt:weiteres Wissen ·         „Wenn ich die gesamte Pädagogische Psychologie auf nur ein einziges Prinzip zu reduzieren hätte, würde ich Folgendes sagen: der wichtigste Einzelfaktor, der das Lernen beeinflusst, ist das, was der Lernende bereits weiß. Ermittle dies und unterrichte ihr entsprechend!“ o   Asrubel, 1986/1974, vi, zit. Nach Hasselhorn & Gold, 2013, S.29
  • Unterscheidung Experten u. Novizen o   Experten: Verfügen im Bereich ihrer Expertise über umfangreiches und geordnetes Wissen o   Novizen: Verfügen über wenig Wissen in diesem Bereich
  • Schach in der Expertiseforschung o   Schachexperten: Bei bedeutungshaltigen Schachkonstellationoen Behaltensleistung höher o   Schachnovizen: Kein Unterschied in der Erinnerungsleistung zwischen möglichen und zufälligen Positionen
  • Expertiseforschung: Wissensqualitäten Art v. Wissen: Situationales Wissen, konzeptuelles Wissen, prozedurales Wissen, strategisches Wissen Qualität: Hierarchischer Status, Eingebundenheit von Wissen, Automatisierungsgrad, Modalität, Allgemeinheitsgrad
  • Zusammenhang Expertise und Intelligenz o   Sind Experten nicht einfach intelligenter als Nichtexperten? §  Korrelationen zwischen Expertenstatus und Intelligenz in sehr unterschiedlichen Inhaltsdomänen (Schach, Phsyik, Geschichte, Musik,...) o   Ist es Intelligenz, die die Effekte auf Lernende erklärt? Überprüfung an Inhaltsdomäne, die nicht unbedingt mit Intelligenz korreliert (z.B. Fußball; bei Physik korrelieren Intelligenz u. Vorwissen wahrscheinlicher ·         Wissen über Fußball (Schneider, Körkel & Weinert, 1989) o   Erfassung von Vorwissen und Intelligenz (UV’s) §  500 Schüler*innen aus der 3.,5. Und 7. Klasse o   Vorlesen einer Geschichte: Verlauf eines Fußballspiels o   Wiedergabe der Geschichte durch Kinder  o   Ergebnis: Experteneffekt > Alterseffekt > Intelligenzeffekt
  • Bedeutung von Lernhilfen in Abhängigkeit von Vorwissen ·         Lernhilfen sind am wirkungsvollsten im mittleren Bereich des Vorwissens (viel Vorwissen: Lernhilfen nicht mehr unbedingt nötig; wenige Vorwissen: Lernhilfen können nicht gut genutzt werden) o   Lernhilfen sind z.B. kleinschrittige Lösung von Problemen (Fragestellungen) oder beim Schrieben lernen: farbliche Unterlegung, Linien (Lernhilfen werden hier dann nach und nach unnötiger und reduziert)
  • Wie werde ich zum Experten? è Wie werde ich denn nun zum Experten? o   Üben, üben, üben o   10-Jahresregel (60 Stunden pro Woche) è Wir alle sind Experten o   In welchem Bereich sind sie Experte?
  • Fazit Vorwissen ·         fördert Qualität der Informationsverarbeitung ·         erleichtert Entscheidung über Relevanz von Informationen und unterstützt Prozesse der selektiven Aufmerksamkeit. ·         entlastet Arbeitsgedächtnis durch schnellere Aktivierung von Konzepten und leichtere Verknüpfung. ·         steigert Interesse an Lerngegenstand.