Entstehung von Abhängigkeitserkrankungen
Trias Substanz: mit spezifischer Wirkung und Gefahr, eine psychische und physische Abhängigkeit zu entwickeln Person: mit besonderen körperlichen und seelischen Eigenschaften Umwelt: mit bestimmten Einstellungen zum Substanzkonsum erste Erfahrungen (Einstellungen zum Konsum, Modellwirkung, Verfügbarkeit der Substanz) --> regelmäßiger Konsum (psychotrope Eigenschaften der Substanz, persönliche Eigenschaften) --> Missbrauch (neurobiologische Veränderungen durch die Substanz, körperliche Veränderungen) --> psychische / physische Abhängigkeit
akute Wirkung von Alkohol - Beeinflussung + Dopamin
psychotroe Wirkung von Alkohol besteht in der Beeinflussung von Stimmung, WN, Vigilanz, Antrieb -> Substanzen bewirken Ausschüttung von Dopamin: positive Verstärkung des Alkoholkonsums aufgrund seiner psychotropen Wirkung wird durch das sogenannte "Belohnungssystem" vermittelt Belohnungssystem = verbunden mit: Motivationsprozessen, Verhaltensaktivierung, explorativer Neugierde-Erkundung Stabilisierung von Gewohnheitshierarchien Alkohol stimuliert Ausschüttung von Dopamin in den "nucleaus accumbens" und dadurch verstärkt sich Alkoholkonsum
Warum werden Pt nach einer Entgiftungsbehandlung so häufig rückfällig?
aktuelle lerntheoretische Modelle betonen die Bedeutung von Prozessen der operaten und klassischen Konditionierung bei der Entstehung und Aufrechterhaltung abhängigen Verhaltens Klassische Konditionierung: Reize, die häufig mit dem Konsum von Alk assoziiert waren, können in der Folge selbst, substanzähnliche oder auch der Substanzwirkung entgegengesetzte Reaktionen auslösen --> Assoziation konditionierter reizabhängiger Reaktionen mit dem Rückfall konnte wiederholt nachgewiesen werden
Pychotherapeutsiche Behandlungsansätze bei Suchterkrankungen - Besonderheiten der Therapeut - Patient - Beziehung
Bereitschaft in der Behandlung mitazuarbeiten = oft gering i.d.R. neigen Pt dazu, ihren Substanzkonsum zu leugnen oder zu verharmlosen Ambivalenz bezüglich einer Veränderung Motivation schwankt Abstienz als Therapieziel vom Therapeuten vorgegeben starke Kontrolle in der Therapie --> Aufbau von Veränderungs- und Abstinenzmotivation = Bestandteil der Therapie, nicht Voraussetzung!
Definition Motivierende Gesprächsführung
direktes, klientenzentriertes Beratungskonzept zur Lösung ambivalenter Einstellungen ggü. Verhaltensänderungen = eine Grundhaltung: ruhiges, respektvollles und konstruktives Gespräch, in dem konfrontative Elemente nicht vorkommen, um so den inneren Motiven der Klienten zu erlauben, Richtung und Ergebnis der Sitzung zu bestimmen --> Respekt ggü. der Bedeutung der subjektiven Erfahrungen und Perspektiven der Klienten, einer bewussten WN der Wertvorstellungen der Klienten und Einflüsse dieser Vorstellungen auf mögliche Verhaltensänderungen
Prinzipien + Anwendungsbereiche der Motivierenden Gesprächsführung
Empathie ausdrücken: akzeptierende Grundhaltung und das Widerspiegeln von Verständnis erleichtert Veränderungen Diskrepanzen entwickeln: Bewusstsein über Konsequenzen des Verhaltens = wichtig, Diskrepanz zwischen derzeitigen Verhalten und wichtigen Zielen -> fördert Veränderungbereitschaft Beweisführungen vermeiden: kontraproduktiv, Vorwürfe erzeugen Abwehr Widerstand aufnehmen: Impulse des anderen können positiv genutzt weden Selbstwirksamkeit fördern: Glaube an die Möglichkeit, sich selbst verändern zu können, ist wichtige Motivationsquelle Anwendungsbereiche: qualifizierte Entzugsbehandlung
qualifizierte Entzugsbehandlung - Konzept
= Betrachtung der Entgiftung als akute Krisensituation, in der Pt therapeutischen Interventionen ggü. offener sind als andere Akutprogramm zur Wiederherstellung körperlicher und psychischer Funktionsfähigkeit mit dem Ziel der Vermittlung in eine weiterführende Behandlung Kombi medizinischer und psychiatrisch-psychologischer Interventionen Berücksichtigung sozialarbeiterischer Aspekte multiprofessionelle Zusammenarbeit Kooperation mit ortsansässigen Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen
qualifizierte Entzugsbehandlung - Ziele
Akutbehandlung des Abhängigkeitssyndroms und möglicher Komplikationen Förderung der Krankheitseinsicht Motivierung zur Absolvierung einer ambulanten oder stationären Rehabilitationsbehandlung Erarbeitung erster Strategien zur Stabiliserung der Abstinenz bis zum Beginn einer weiterführenden Behandlung
tiefenpsychologische Behandlungsansätze bei Abhängigkeitserkrankungen
Grundmodelle: Streben nach Lustgewinn: schwaches Ich, unterentwickeltes Über-Ich A = Selbstheilungsmittel: dämpft negativen Gefühle, schirmt vor äußeren Reizen ab (fehlende Ich-Funktionen) A + Selbstzerstörung: es fehlen die guten inneren Objekte, um leben zu dürfen, Selbstvergiftung ds Selbst oder eines inneren Objektes, basale Identitätsstörungen und fehlendes Urvertrauen Sucht als tiefgreifende bzw. frühe Störung Fokus: prämorbide Persönlichekit Diagnostische Relevanz: Erfassung der relevanten gestörten Persönlichkeitsbereiche Ziel: Behandlung der eigentlichen Störungen, die sich druch die Abstinenz zeigen --> Abstinenz nicht oberstes Ziel
Verhaltenstherapie bei Abhängigkeitserkrankungen
im Zentrum: funktionale Verhaltensanalyse SORK-Schema Ziele: Veränderung auslösender und aufrecht erhaltender Bedingungen, Bearbeitung reizabhängiger Reaktionen, Befähigung zur Abstinenz, Rückfallprophylaxe Methdoen: soziales Kompetenztraining, kognitive Umstrukturierung, Rückfallpräventionstraining, Reizkonfrontationstraining
Reizexpositionstraining bei Abhängigkeitserkrankungen
Reiz -> Alkoholverlangen, Speichelfluss, Beeinträchtigung der Verhaltenskontrolle, Fokussierung alkoholassoziierter Reize -> Rückfall Löschung reizabhängiger Reaktionen sollte durch die wiederholte Konfrontation des Patienten mit seinem bevorzugten alkoholischen Getränk, ohne dass tatsächlich Alkohol konsumiert wird, erzielt werden
DSM5-Kriterien "Anorexia Nervosa" und Veränderungen bei DSM5
A: in Relation zum Bedarf eingeschränkte Energieafunahe, welche unter Berücksichtigung von Alter, Geschlecht, Entwicklungsverlauf und körperlicher Gesundheit zu signifikant niedrigen Körpergewicht ( = Gewicht, das unterhalb des Minimums des normalen Gewichts oder unterhalb des minimal zu erwartenden Gewichts liegt) führt B: ausgeprägte Angst vor Gewichtszunahme oder davor, dick zu werden, oder dauerhaftes Verhalten, das Gewichtszunahme entgegenwirkt, trotz des niedrigen Gewichts C: Störungen in WN der eigenen Figur oder des Körpergeiwchts, übertriebener Einfluss des Körpergewichts oder Figur auf Selbstbewertung oder anhaltende fehlende Einsicht i.B. auf Schweregrad des gegenwärtig geringen Gewichts --> restriktiver Typ oder Binge-Eating/Purging Typ ? --> teilremittiert oder vollremittiert ? --> Schweregrad: leicht BMI >= 17, mittel 16 - 16.99, schwer 15 - 15.99, extrem <= 15 Veränderungen DSM5: Kriterien der Amenorrhö wurden eliminiert, Kriterium A spezifiziert und zusätzliche Diagnosehinweise, Kriterium B: Angst vor Gewichtszunahme wurde wiederholtes Verhalten zur Verhinderung von Gewichtszunahme hinzugefügt
Anorexia nervosa - psychologische Merkmale und körperliche Veränderungen
psychologische Merkmale: selektives Essverhalten, "verbotene" Lebensmittel verdeckte gegensteuernde Maßnahmen wie z.B. Bewegungsdrang, Einläufe, Laxantien, Diuretika heimliches exzessives Wiegen, permanente Beschäftigung mit Essen, Kalorientabellen.. nicht in Öffentlichkeit essen familiäre Spannungen affektive Instabilität Änderung des Sexualverhaltens körperliche Veränderungen: niedriges Gewicht: nicht Eintreten, Aufhören der Menstruation assoziierte hormonelle Veränderungen mit Spätrisiken Stoffwechselverlangsamung Körpertemperatur sinkt ab, kälteempfindlich, Lanugobehaarung, Kaliummangel Verstopfung, Völlegefühl Hirnstoffwechselveränderungen, vergrößerter Ventrikel --> viele dieser Zeichen verschwinden, wenn Normalvgewicth 3 Monate lang erreicht ist
DSM5-Kriterien "Bulimia Nervosa"
A: wiederholte Episoden von Essanfällen, Merkmale: 1. Verzehr einer Nahrungsmenge in betimmten Zeitraum, wobei diese Nahrungsmenge erheblich größer ist als die Menge, die die meisten Menschen in einem vergleichbaren zeitraum unter vergleichbaren Bedingungen essen würden, 2. Gefühl, während der Episode die Kontrolle über das Essverhalten zu verlieren B: wiederholte Anwendung von unangemessenen kompensatorischen Maßnahmen, um einer Gewichtszunahme entgegenzusteuern C: Essanfälle und unangemessenen kompensatorischen Maßnahmen treten min. 1x pro Woche über einen Zeitraum von 3 Monaten auf D: Figur und Körpergewicht haben übermäßigen Einfluss auf Selbstbewertung E: tritt nicht ausschließlich im Verlauf von Episoden einer Anorexia Nervosa auf --> teilremittiert oder vollremittiert? --> Schweregrad: leicht 1-3 Episoden unangemessener kompensatorischer Maßnahmen, mittel 4 -7, schwer 8-13, extrem 14 oder mehr
DSM5-Kriterien "Binge-Eating-Störung" und Veränderungen im DSM5
A: wiederholte Episoden von Essanfällen, Merkmale: 1. Verzehr einer Nahrungsmenge in betimmten Zeitraum, wobei diese Nahrungsmenge erheblich größer ist als die Menge, die die meisten Menschen in einem vergleichbaren zeitraum unter vergleichbaren Bedingungen essen würden, 2. Gefühl, während der Episode die Kontrolle über das Essverhalten zu verlieren B: Essanfälle mit mindestens 3 der folgenden Symptome: 1. wesentlich schneller essen als normal, 2. essen bis zu einem unangenehmen Völlegefühl, 3. essen großer Nahrungsmengen, wenn man sich körperlich nicht hungrig fühlt, 4. allein essen aus Scham über die Menge, die man isst, 5. Ekelgefühle ggü sich selbst, Deprimiertheit und große Schuldgefühle nach dem übermäßigen Essen C: deutlicher Leidensdruck wegen Essanfälle D: Essanfälle treten im Durchschnitt mind. 1x pro Woche über einen Zeitraum von 3 Monaten auf E: Essanfälle treten NICHT gemeinsam mit wiederholten unangemessenen kompensatorischen Maßnahmen und nicht ausschließlich im Verlauf einer BN oder AN auf --> teilmissiert oder vollremittiert? --> Schweregrad: leicht 1 - 3 Essanfälle pro Woche, mittel 4-7, schwer 8-14, extrem 14 oder mehr Veränderungen: Reduktion der Häufigkeit des auftretenden Binge-Eating-Verhaltens von 2mal wöchentlich in den letzten 6 Monaten auf mindestens 1mal pro Woche in den letzten 3 Monaten
Diagnostische Verfahren bei Essstörungen
EDI - Eating Disorder Inventory - Skalen: Streben nach Dünnsein, Körperunzufriedenheit, Bulimische Symptome, Perfektionismus, Ineffektivität, Angst vor dem Erwachsenwerden FFB - Fragebogen zum Figurbewusstsein - negative Kognitionen und Gefühle zum Umgang mit der eigenen Figur FEV - Fragebogen zum Essverhalten - "gezügeltes" Essverhalten, Störbarkeit des Essverhaltens, erlebte Hungergefühle EDE - Eating Disorder Examination - Interviewleitfaden zur Diagnosestellung der Anorexia und Bulimia Nervosa Essanfallstagebuch + Ernährungstagebuch
Wie beginnen Essstörungen?
frühe Pubertät: Unzufriedenheit mit dem Aussehen "ein paar Pfunde zu viel - Diät" immer häufigere kurze und nicht erfolgreiche Diäten (gerade "Babyspeck" geht nicht so einfach weg!) bei Anfälligen beginnt Ernährung seine besondere psychologische Bedeutung anzunehmen (Dicksein = Gefahr!, Nicht Wunschgewciht erreichen = Versagen, Wertlosigkeit) Diät und Ernährungsfragen, Aussehen und Essen werden zum Brennpunkt (andere Entwicklungsaufgaben treten zurück) intensiveres Fasten / Dauerfasten wird zur Regel Teufelskres zwischen körperlichen und psychischen Effekten Kognitive Aspekte: spezifische Kognitionen: "Nur wenn ich schlank bin, bin ich ein wertvoller Mensch", "Wer zunimmt, hat einen schwachen Charakter / ist nicht perfekt", "Schokolade / Fleisch /...verwandelt sich direkt in ein Fettpolster", "Wenn ich anfange abzunehmen, wird das unendlich so weitergehen" Folgen des Fastens bei Gesunden: Ständiges Hungergefühl gedankliche Beschäftigung mit Essen + Gewicht, emotionale Instabilität, Heißhunger / Lust auf Süßes
Risikofaktoren für die Entstehung von Essstörungen
Genetische Faktoren Geschlecht Geburt: Geburts- und/oder Schwangerschaftslomplikationen, Frühgeburt Kindheitsfaktoren: Gesundheitsprobleme, sexueller Missbrauch, Esskonflikte / wählerisches Essverhalten / Kämpfe um Mahlzeiten in der Adoleszenz: früher Pubertätsbeginn, übermäßige Beschäftigung mit Figur + Gewicht, Mangel an Selbstwertgefühl, erhöhter Alk-konsum, mangelnde soziale Unterstützung, psychiatrische Komorbidität
Verlaufsmerkmale und prognostische Faktoren bei Bulimie
bei AN: Mortailität innerhalb 5 Jahren über 5 %, im längeren Verlauf noch höher (ca. 9%) von den verbleibenden Patientinnen sind nach 4 - 10 Jahren etwa 45 % geheilt, 35% gebessert und 20 % nehmen chronischen Verlauf Verlauf bei adoleszenten Patienten günstiger: 70 - 75% gesund bei BN: langfristiger Verlauf günstiger: 50 -75 % remitterien ca. 30 % teilremittiert, 20 - 30 % erfüllen noch Kriterien
Set Point Theorie
gewisses Körpergewicht = biologisch vorgegeben Essverhalten reguliert sich so, dass immer wieder auf dieses Körpergewicht zurückgekommen wird Veränderungen des Set Points sind nur in geringem Ausmaß möglich und erst nach sehr langfristigen Gewichtsveränderungen
Therapieziele bei kognitiv-verhaltenstherapeutischen Behandlung von Essstörungen
Normalisierung des Gewichts Normalisierung des Essverhaltens Reduktion dysfunktionaler Kognitionen und Lernprozesse Aufbau von Köprerakzeptanz Aufbau von Selbstwertgefühl / Selbstverantwortung Hilfe bei Aufbau adäquater familiärer Prozesse Nachholen verpasster Entwicklungsschritte Verhinderung von Rückfall-Risikon --> Wichtig! Veränderungsmotivation
Strategien zur Motivierung bei Behandlung von Essstörungen
Entwicklung von Diskrepanzen, Gegenüberstellung von Pro- und Contra-Seite Erfassung der individuellen Befürchtungen bezüglich einer Gewichtszunahme, ggf. Überprüfung dieser auf ihren Realitätsgehalt Informationsvermittlung zu physiologischen Faktoren der Entstehung und Aufrechterhaltung von Essanfällen und Erbrechen Erhebung der individuell vorliegenden Begeiterscheinungen der Essstörung Angebot, die Gewichtszunahme als ein "Experiment" anzusehen
Indikationen für eine stationäre Behandlung bei AN
Verlust von mehr als 30 % des Ausgangsgewichts, v.a. bei rascher Gewichtsabnahme Unterschreiten von BMI von 14 ausgeprägte somatische Folgeerscheinungen u.a. Elektrolytentgleisungen, Hypothermie, Hinweise auf ein erhöhtes kardiales Risiko, Niereninsuffizienz Schwerwiegende Begleiterscheinungen, z.B. durch die Essstörung bedingte schlechte Stoffwechselkontrolle bei Diabetes
Indikationen für eine stationäre Behandlung bei BN und Binge-Eating-Störung
massive Ausprägung der Symptomatik, z.B. zunehmender Kontrollverlust über das Essverhalten erhebliche komorbide Symptomatik, insbesondere depressive Störungen mit Suizidgefährdung, Krisen i.Z. mit Persönlichkeitsstörungen und Missbrauch psychotroper Substanzen Versagen der ambulanten Behandlung, Notwendigkeit der Veränderung der derzeitigen Lebensbedingungen (z.B. soziale Isolierung, familiäre Konflikte)
Bestandteile der Behandlung von Essstörungen
Infovermittlung und Psychoedukation Problemanalyse Veränderung des Essverhaltens Identifikation und Bearbeitung zugrunde liegender Konflikte Kognitive Techniken / Kognitive Umstrukturierung Bearbeitung der Körperschemastörung Stabilisierung Rückfallprophylaxe
Vorgehen bei der Figurexposition
zeitlich ausgedehnte Konfrontation mit der Figur bzw. der äußeren Erscheinung anhand von Videoaufnahmen und Spiegeln, die eine Ganzkörperbetrachtung erlauben Durchführung der Übung zu unterschiedlichen Tageszeiten / Stimmungslagen Pt werden angeregt, bei den Übungen unterschiedliche Kleidung zu tragen Einsatz von Strategien der Gesprächsführung, die den Pt helfen, ihre körperliche Erscheinung genau so zu beschreiben wie Gedanken und Gefühle zu verbalisieren Therapeut achtet darauf, dass sich Pt nicht durch Vermeidungsstrategien ablenken (z.B. Blick abwenden, über andere Themen reden) Übungen werden erst dann beendet, wenn die negativen Gefühle deutlich zurückgegangen
Effektivität der Behandlung von Essstörungen
bei bulimischen Pt = kognitiv-verhaltenstherapeutische Ansätze am effektivsten familientherapeutische Ansätze haben sich bei adoleszenten anorektischen Ptn bewährt für ältere / junge Erwachsene unklar pharmakologische Ansätze mit Antidepressive zeigen geringere Wirksamkeit wie KVT, insbesondere langfristige Effekte = weitgehend ungesichert
Merkmale pathologischer Zwänge
Person erlebt inneren, subjektiven Drang, bestimmte Dinge zu denken oder zu tun Person leistet Widerstand gegen den Drang Person erkennt Gedanken und Handlungen im Prinzip als sinnlos Person erlebt durch Gedanken der Handlungen eine massive Beeinträchtigung des Lebensvollzugs
DSM5-Kriterien "Zwangsstörung"
A: Entweder Zwangsgedanken, Zwangshandlungen oder beides: Zwangsgedanken sind durch (1) und (2) definiert: (1) immer wiederkehrende und anhaltende Gedanken, Impulse oder Vorstellungen, die im Krankheitsverlauf mindetens zeitweilig als aufdringlich und ungewollt empfunden werden, und die meist Angst und großes Unbehagen hervorrufen (2) Person versucht, diese G / I / V zu ignorieren oder zu unterdrücken oder sie mithilfe anderer Gedanken oder Tätigkeiten zu neutralisieren (z.B. durch die Ausführung einer Zwangshandlung) Zwangshandlungen sind durch (1) und (2) definiert: (1) wiederholte Verhaltensweisen oder mentale Handlungen, zu denen sich die Person als Reaktion auf einen Zwangsgedanken oder aufgrund von streng zu befolgenden Regeln gezwungen fühlt (2) V / mH dienen dazu, Angst oder Unbehagen zu verhindern / reduzieren /gefürchtete Ereignisse oder Situationen vorzubeugen; stehen in keinem realistischen Bezug zu dem, was sie zu neutralisieren oder zu verhindern versuchen oder sind deutlich übertrüben B: zeitintensiv oder verursachen Leiden oder Beeinträchtigungen in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen C: nicht Folge der physiologischen Wirkung einer Substanz oder eines medizinischen Krankheitsfaktors D: Störungsbild kann nicht besser durch das Vorleigen einer anderen psychischen Störung erklärt werden --> guter/angemessener Einsicht - wenig - fehldene Einsicht ? --> Tic-Bezogen?
Differenzialdiagnose bei Zwangssymptomen
zu Psychosen: externe Kräfte, ich-fremd, nicht als sinnlos betrachtet, kein innerer Widerstand zu organisch bedingten Störungen: kaum intellektuelle Inhalte, kaum absichtsvoll, mechanische / einfache Qualität zu Depression: depressives Grübeln zu Essstörung: Denken ans Essen zu soziale Phobie: soziale Befürchtungen zu Hypochondrie: Krankheitsängste zur zwangshaften Persönlichkeitsstörung: größere Stabilität, selten Gefühl des Gezwungenseins, andere diagnostische Kriterien
Diagnostische Verfahren bei Zwangsstörungen
Yale-Brown-Obsessive-Compulsive Scale (Y-BOCS): international gebräuchliches Fremdratingverfahren Hamburger Zwangsinventar (HZI): Fragebogen zur Selbstbeurteilung mit 188 Items lang und 72 Items kurz Padua-Zwangsfragebogen (PI-R): Fragebogen zur Selbstbeurteilung mit 41 Items
Lernpsychologische Modelle zur Ätiologie und Aufrechterhaltung von Zwangsstörungen
Aufrechterhaltung von Rituralen lässt sich durch 2. Faktor erklären: Pt erlebt bei Durchführung der Rituale sofortige Erleichterung der Angst Kritik 1. Faktor erklärt Angst nicht 100%ig: keine traumatischen Bedingungen , die Hinweis auf Konditionierungsfaktoren geben Zwangshandlungen kann Modell erklären, aber nicht Zwangsgedanken entscheidende Emotion bei Zwang ist nicht Angst, eher Zweifel / Unsicherheit Pt vermeiden Situation nicht, sondern suchen sie au, um Dinge richtig zu stellen = aktives Vermeidungsverhalten
Kognitive Ansätze bei Ätiologie und Aufrechterhaltung von Zwangsstörungen
Kognitives Modell von Salkovskis (1989) Gedanke wird zum Zwangsgedanken, wenn er eine spezielle Bedeutung bekommt Bewertung = oftmals vor dem biographischen Hintergrund einer Person zu verstehen wichtige Rolle spielt der Versuch, den Gedanken zu unterdrücken aufdrunglicher Gedanke -> Bewertung -> emotionale / physiologische Unruhe -> Neutralisieren / Ritual
dysfunktionale Kognitionen bei Zwangsstörungen
Überschätzung von Risiko und Gefährlichkeit "Thought-Action Fusion" Bedeutung und Konsequenzen von Gedanken übermäßig große Verantwortlichkeit: "Magisches Denken" rigide, tw. übermoralische Regelsysteme Perfektionismus Zweifel, Unsicherheit und Schwierigkeiten beim Treffen von Entscheidungen
fronto-striatale Hypothese bei Zwangsstörungen
aktuelle neuroanatomische Modelle betronen die Rolle von kortikostriato-thalamokortikalen Regelkreisen bei der Zwangsstörung Kortikostriatothalamische Kollaterale setzen sich aus 2 Schleifen zusammen: direkte und indirekte Schleife beide Systeme arbeiten parallel und wirken auf Ebene des Thalamus entgegengesetzt, womit sie ein Gleichgewicht der beiden Schleifen herstellen = bei Gesunden bei Zwangserkrankten: Imbalance zwischen direkten und indirekten Regelkreisen zugunsten des direkten Sysmtes, die zu einer Exzitation oder Disinhibition des Thalamus führt -> Hochregulation der kortikothalamischen Verbindungen --> sich aufdrängende Ereignisse, Gedanken oder Impulse stellen Fehler der Filterfunktion des Thalamus dar
Befunde in PET- und fMRI-Studien zur fronto-striatalen Hypothese
in Ruhe: erhöhter Glukosestoffwechsel und erhöhte neuronale Aktivität im orbitofrontalen Cortex, im anterioren Gyrus cinguli und im Nucleus caudatus bei Symptomprovokation: Hyperaktivität wird gesteigert nach erfolgreciher Therapie: Normalisierung der neuronalen Aktivitäte
Serotonin-Hypothese bei Zwangsstörungen
neurochemische Untersuchungen: mittels ET kann man die Rezpetorbesetzungen von Neurotransmittern in den Zielregionen darstellen 25 % höhere Verfügbrkeit der Transporter für Serotonin im Mittelhirn, wobei die komorbide Depression in künftigen Studien besser berücksichtigt werden muss erniedrigte NA-Werte in den Basalganglien und im Thalamus
Neuropsychologische Befunde bei Zwangsstörungen
Exekutivfunktionen: mehr Perseverationen im Object Alternation Test inhibitorische Funktionen: reduzierte Hemmung bei Negative-Priming-Effekt belegt allg. Intelligenz: sprachliche Intelligenz leicht überdurchschnittlich, Handlungsintelligenz im Normbereich Gedächtnis: visuelles und verbales LZG beeinträchtigt, wenn Organisation des Materials erforderlich ist, visuell-räumliche Ged.kapazität stärker betroffen prozedurales Lernen: implizites Sequenzlernen unbeeinträchtigt, unter Dual-Task-Bedingungen beeinträchtigt
Evidenzbasierte Behandlungsansätze bei Zwangsstörungen
KVT - Exposition keine Ablenkung, keine Entspannungsübungen -> immer wieder auf Gefühle / Gedanken zurückkommen befürchtete Katastrophe besprechen oder sogar ausmalen nach Überschreiten des Spannungshöhepunkts: Spannung klingt meist von selbst ab, Hilfestellungen jetzt erlaubt Reduktion um mind. 30 Punkte oder die Hälfte der angegebenen Spannung als Ziel der Expo Pharmakologische Behandlung serotonin-spezifisch oder SSRI -> kann langsam aufdosiert werden, erwünschte Wirkung aber erst nach 6 - 8 Wochen Responserate: 60 - 80 % sprechen auf die Behandlung an, Symptomatik verbessert sich meist nur um max. 50 % Rückfallrate nach Absetzen etwa 80 % sützende Pharmakotherapie unter folgenden Bedingungen sinnvoll: schwere Zwangsgedanken, ausgeprägte Depression, allgemein bei schweren Störungen, wo eine vollständige Remission nicht zu erwarten ist
Funktionsanalyse von Zwängen
Werden m.H. des Zwangs Bedürfnisse erfüllt oder Schwierigkeiten bewältigt? Gewinn von Sicherheit Gewinn von Kontrolle Perfektionismus Umgang mit Angst Umgang mit Ärger
Exposition und Reaktionsverhinderung bei Zwangsstörungen
Exposition: sich angstauslösenden Situationen stellen Reaktionsverhinderung: Verzicht auf offene oder verdeckte Zwangshandlungen oder -rituale Wirkmechanismen: Habituation / Abbau von Anspannung / Angst, aktive Auseinandersetzung mit Emotionen, Erlernen neuer Bewältigungsmöglichkeiten zum Umgang mit der erlebten Anspannung / Angst
Zwangsstörung: Expositionsvorbereitung
Vermittlung eines Erklärungsmodells -> nach Salkovsksi Einstellungen zum Zwnang -> = Problem NICHT Gefahr, Distanz, Reflexionsvermögen, neurophysiologische Auffälligkeiten erklären, dann kann Pt seinen Zwang als eine Art "neurophysiologischen Tic" ansehen Vorstellungen über normales Verhalten entwickeln -> Normen herausarbeitne, Modelle ansehen Ausarbeitung eines Bhandlungsplans: Ziele, Reihenfolge der Ziele abhängig von Vertrauen des Pt, mit Aufgabe mit mittleren Schwierigkeitsgrad beginnen
Therapiestudien zur Zwangsstörung
Wirksamkeit der ERP gut belegt berichtete Besserungsraten bei 50 - 85 % Katamnesen: bei 70 - 80 % Behandlungserfolge über 3 Monate bis 6 Jahre stabil Verweigerung oder Abbruch der ERP: rund 12 - 15 % PET-Studie: erhöhte Aktivierung im rechten nucleus caudatus normalisierte sich sowohl nach Therapie als bei den Respondern der Psychopharmaka-Bedingung
zentrales Merkmal der sozialen hobie
Überzeugung oder Erwartung, dass das eigene Verhalten oder sichtbare körperliche symptome wie Erröten, Schwitzen oder Zittern von anderen Menschen als lächerlich bewertet werden
DSM5-Kriterien "soziale Angststörung"
A: ausgeprägte Furcht oder Angst vor einer oder mehreren sozialen Situationen, in denen die Person beurteilt werden könnte B: Betroffene fürchten, dass sie sich in einer Weise verhalten könnten oder Symptome / Angst offenbaren, die von anderen negativ bewertet werden könnten C: soziale Situationen rufen fast immer Furcht- oder Angstreaktion hervor D: soziale Situationen werden vermieden oder unter intensiver Furcht oder Angst ertragen E: Furcht / Angst geht über das Ausmaß der tatsächlichen Bedrohung durch die soziale Situation hinaus und ist im soziokulturellen Kontext unverhältnismäßig F: Furcht / Angst / Vermeidung = andauernd G: Furcht / Angst / Vermeidung verursacht Leiden oder Beeinträchtigungen H: Furcht / Angst / Vermeidung = nicht Folge der physiologischen Wirkung einer Substanz oder eines Medizinischen Krankheitsfaktors I: Furcht / Angst / Vermeidung kann icht besser durch Symptome einer anderen psychischen Störung erklärt werden J: Falls ein Medizinischer Krankheitsfaktor vorliegt, so steht die Furcht / Angst / Vermeidung nicht damit in Zshg. --> nur in Leistungssituationen ?
Typische Situationen, die von Personen mit sozialer Phobie gefürchtet werden
Leistungssituationen: Sprechen in der Öffentlichkeit, Rede halten, etwas vor anderen schreiben, vor anderen trinken oder essen, öffentliche Toiletten benutzen Interaktionssituationen: im Mittelpunkt stehen, Konversation in Gruppen, Gespräch mit einer Person, Teilnahme an Party/Hochzeit, telefonieren