Sozialpsychologie (Subject) / Prosoziales Verhalten und Empathie (Lesson)
There are 28 cards in this lesson
.
This lesson was created by ReiBe.
This lesson is not released for learning.
- Was versteht man unter prosozialem Verhalten? Prosoziales Verhalten ist ein Sammelbegriff für alle Formen zwischenmenschlicher Unterstützung, die gewinnbringend bzw. vorteilhaft für andere sind.Z. B. Kooperation, Hilfeverhalten, Dienstleistungen, Teilen etc.
- Was versteht man unter Hilfeverhalten? Aktives hilfreiches Verhalten gegenüber einer hilfsbedürftigen Person, das nicht beruflich motiviert ist.
- Was versteht man unter Zivilcourage? Hilfeverhalten trotz des Risikos erheblicher physischer, psychischer oder sozialer Folgen für den Helfenden.
- Was versteht man unter dem Bystander-Effekt? Unter Bystander-Effekt versteht man das Phänomen, einzelne Augenzeugen eines Unfalls oder kriminellen Übergriffs mit niedrigerer Wahrscheinlichkeit eingreifen oder Hilfe leisten, wenn weitere Zuschauer anwesend sind.
- Zähle die Entscheidungsstufen des 5-stufigen Entscheidungsmodells für Hilfeverhalten von Latané auf. Situation wahrnehmen Situation interpretieren Verantwortung übernehmen Entscheidung, welche Hilfe erforderlich ist Hilfe durchführen
- Nenne die 3 psychologischen Prozesse / Phänomene, die sich hinderlich auf Hilfeverhalten auswirken können. Pluralistische Ignoranz Verantwortungsdiffusion Bewertungsangst
- Was versteht man unter pluralistischer Ignoranz im Bezug auf Hilfeverhalten? Pluralistische Ignoranz ist das Phänomen, dass Personen aus dem Nicht-Handeln anderer schließen, dass es sich bei einer Situation nicht um einen Notfall handelt.
- Was versteht man unter Verantwortungsdiffusion im Bezug auf Hilfeverhalten? Verantwortungsdiffusion ist das Phänomen, dass das Verantwortungsgefühl einzelner Personen in Notfallsituationen in der Regel abnimmt, je höher die Anzahl der Zuschauer ist.
- Was versteht man unter Bewertungsangst im Bezug auf Hilfeverhalten? Bewertungsangst ist die Scham oder Angst einer Person, etwas falsch zu machen.
- Was versteht man unter audience-inhibition im Bezug auf Hilfeverhalten? Audience-inhibition ist die Angst einer Person, vor anderen einen schlechten Eindruck zu machen.
- Was ist prosoziales Verhalten? Verhalten, das in der unmittelbaren Absicht ausgeführt wird, jemand anderem zu helfen oder zu nützen (weitere Ziele können eine Rolle spielen).
- Nenne und erkläre die verschiedenen Motive für prosoziales Verhalten. Altruismus = Prosoziales Verhalten motiviert allein durch den Wunsch, der anderen Person zu helfen, nicht für eigenen Nutzen oder eigenen Vorteil.Da Nutzen aber positive Emotionen als Ergebnis des Helfens einschließt, ist fraglich, ob es reinen Altruismus überhaupt gibt. Egoismus = Prosoziales verhalten zumindest teilweise motiviert durch den Wunsch, den eigenen Nutzen zu erhöhen (mastery)
- In welchen Situationen können sich Normen förderlich auf Hilfeverhalten auswirken? Personen in Führungspositionen oder mit spezieller Verantwortung helfen eher Sobald jemand hilft, nehmen andere dieses Verhalten als normativ wahr und helfen ebenfalls Lernen am Modell: Persönliche Normen werden über Sozialisation erworben (z. B. Vorbild der Eltern, Religiösität)
- In welchen Situationen können sich Normen hemmend auf Hilfeverhalten auswirken? Norm der Privatheit: Fremde intervenieren selten in "Familienangelegenheiten"
- Ist prosoziales Verhalten genetisch determiniert? Zwar kann die Tendenz, anderen trotz eigener Kosten zu helfen, nicht durch natürliche Auslese entstehen, aber Hilfe kann auch dem Helfer nützen: Hilfe für Verwandte (Kopien der eigenen Gene) erhöht die "inclusive fitness"¹ Hilfe für Gruppenmitglieder nützt dem Überleben und der Fortpflanzung der Gruppe (die mit dem Helfer verwandte Personen enthält) Je enger der Verwandtschaftsgrad (Verwandtschaftskoeffizient²), desto höher die Bereitschaft zu helfen Gegenargument:Der Befund kann nur im Nachhinein und nicht kausal (ursächlich). Außerdem tritt Hilfe nicht nur gegenüber Verwandten auf. -----------------------------------------¹ Die genetische Gesamtfitness (engl. "inclusive fitness"), der genetische Erfolg eines Lebewesens, misst sich an der Anzahl der eigenen Gene, die in der nachfolgenden Generation vorhanden sind. Sie setzt sich zusammen aus der direkten Fitness, der Anzahl der Gene, die durch eigene Nachkommen weitergegeben wird, und der indirekten Fitness, der Anzahl der eigenen Gene, die über Verwandte an die nächste Generation weitergegeben wird. Ein Individuum, das die Fortpflanzungschancen eines nahen Verwandten erhöht, kann somit eine Erhöhung seiner eigenen Gesamtfitness bewirken (d. h. genetischer Erfolg).²Der Verwandtschaftskoeffizient berechnet die Nähe der biologischen Verwandtschaft zweier Lebewesen anhand der Wahrscheinlichkeit, dass sie dieselbe (zufällig ausgewählte) Erbinformation von einander oder einem gemeinsamen Vorfahren geerbt haben. Vollständige Übereinstimmung der Erbanlagen besteht bei eineiigen Zwillingen und künstlich erzeugten Klonen, weil sie genetisch identische Individuen sind – folglich haben sie einen Koeffizienten von 1,0 (100 Prozent).
- Was besagt die "Theorie des sozialen Austauschs"? Die Theorie des sozialen Austauschs geht davon aus, dass es sich beim menschlichen Sozialverhalten um einen Austauschprozess handelt, dessen Ziel es ist, den eigenen Nutzen zu maximieren und die eigenen Kosten zu minimieren.
-
- Wofür steht das "Negative-State Relief Model"? Andere leiden zu sehen, verursacht negative Emotionen beim Beobachter, die dieser durch Hilfe abbauen kann.
- Welchen immateriellen Nutzen kann eine Hilfeleistung für den Helfenden haben (Beispiele)? Dankbarkeit des Opfers Hilfe als Gegenleistung Bewunderung der Zuschauer
- Welche immateriellen Kosten kann eine Hilfeleistung für den Helfenden haben (Beispiele)? Zeitaufwand Gefahr für eigene Gesundheit Risiko, sich zu blamieren oder etwas falsch zu machen
- Was besagt die Empathie-Altruismus-Hypothese von Batson? Menschen handeln nur dann uneigennützig bzw. altruistisch, wenn sie in einer bestimmten Situation Empathie empfinden.Findet Hilfeverhalten statt ohne Empathie zu empfinden, so ist dies auf andere Faktoren zurückzuführen, wie etwa die Vermeidung negativer Konsequenzen durch das Nicht-Helfen.
- Wann spricht man von "pathologischem Altruismus"? Wenn Altruismus aufgrund krankhaft übersteigerter Form negative Auswirkungen hat. Potenzielle Kosten (für sich selbst oder Dritte, z. B. eigene Familie) werden nicht berücksichtigt.
- Wie wirkt sich Verantwortungsattribution (Zuschreibung von Verantwortung) auf Hilfeverhalten aus? Ist/war das Opfer nicht selbst Schuld an seiner Notlage und/oder hat/te keine Kontrolle über die Situation, erfolgt verstärkte Hilfeleistung.Die subjektive Bewertung dieser Fragen wirkt direkt auf die Emotionen, Einstellungen und Verhaltensweisen des Beobachters.
- Was ist mit dem Begriff "Soziales Dilemma" gemeint? Eine Situation, in der eine Handlungsalternative, die für das Individuum den größten Nutzen bringt, der Gruppe schadet, wenn sie von vielen Individuen gewählt wird. -----------------------------------------------------------------Beispiele: Überfischung der Meere (Bereicherung einzelner, aber wenn es viele machen, Schaden für alle durch Erschöpfung der Ressource) Autofahren: Wenn ich ein Auto nutze, komme ich schnell und bequem an meinen Zielort. Der Nutzen fällt mir als Fahrer unmittelbar zu. Allerdings entstehen bei jeder Fahrt Lärm und Abgase. Diese Kosten treffen aber auch Fußgänger und Anwohner, nicht nur mich selbst als Autofahrer. Der Schaden entsteht auch erst dann, wenn viele das Auto nutzen. Daraus folgt, dass der einzelne nur wenig Anreize hat, das schädigende Verhalten zu unterlassen, da es nur sehr gering zum Gesamtschaden beiträgt.
- Welche Faktoren beeinflussen spontanes Helfen (oberflächliche Verarbeitung)? Notfälle: reduzierte Verarbeitungskapazität (Zeitdruck, starke Emotionen) kognitiv zugängliche Gefühle (z. B. Empathie) oder Normen bestimmen das Handeln Anwesenheit anderer (selbst die bloße Vorstellung, "implicit bystander effect") reduziert Hilfewahrscheinlichkeit
- Welche Faktoren beeinflussen geplantes Helfen (systematische Verarbeitung)? langfristige Verpflichtungen erlauben ausführliches Nachdenken und Planung (z. B. Ehrenamt) Wiederholtes Helfen trägt zu stabiler Selbstwahrnehmung bei ("ich bin ein hilfsbereiter Mensch") und fördert zukünftiges Helfen wie regelmäßige Spenden ("vgl. "foot-in-the-door"-Effekt) "Organizational citizenship behavior"¹ = KollegInnen helfen, auch wenn es formal nicht zum Job gehört: Bei Notfällen einspringen, Neulinge unterstützen. -----------------------------------------------------¹ Begriff aus der Arbeits- und Organisationspsychologie. OCB beschreibt eine Form von freiwilligem Verhalten in Form von zusätzlichem Engagement innerhalb der "Organisation", in der eine Person arbeitet. Unter OCB wird ein Verhalten verstanden, das außerhalb der (arbeits-)vertraglich geregelten Pflichten liegt und daher nicht einforderbar ist. Es ist für OCB spezifisch, dass es über das forderbare Engagement hinausgeht und es sich dabei nicht um opportunistisches Verhalten handelt, von dem der Handelnde sich einen persönlichen Vorteil erwartet. Ein einfaches Beispiel ist es, einem Kollegen bei einer Gelegenheit zu Hilfe zu kommen, zu der die Person nicht verpflichtet ist und für die die Person auch keine Gegenleistung erwartet.
- Welche Motive können langfristigem Helfen zugrunde liegen? Egoistische: Mastery (neue Kenntnisse und Fertigkeiten erlernen, soziale Anerkennung) Altruistische: Connectedness (Empathie, humanitäre Werte) Identifikation mit der Gruppe: Valuing Me & Mine (Mitgliedern der eigenen Gruppe helfen)
- Welche zwei gegensätzlichen Botschaften werden beim Annehmen von Hilfe vermittelt? selbst-unterstützende Aspekte, z. B. Erfüllung von Bedürfnissen, Erfahren von Wertschätzung (z. B. Programme zur Förderung von Minderheiten) selbst-bedrohliche Aspekte, z. B. Gefühl der Inkompetenz oder Machtlosigkeit, Ewartung, Hilfe erwidern zu müssen (z. B. Männer, die nicht nach dem Weg fragen)
- Wie kann man generell Hilfsbereitschaft fördern und in einem Notfall die Chance erhöhen, Hilfe zu erhalten? Mehrdeutigkeit reduzieren (Notwendigkeit der Hilfe klarmachen) Selbstkonzept der Hilfsbereitschaft in anderen stärken Normen etablieren, die Hilfeverhalten unterstützen Normen in der Situation aktivieren Verantwortung individuell fokussieren (Einzelne direkt ansprechen) Identifikation mit denen stärken, die Hilfe benötigen
