Gruppe
Zwei oder mehr Personen, die miteinander interagieren und insofern interdependent sind, als ihre Bedürfnisse und Ziele eine gegenseitige Beeinflussung bewirken.
Funktion Gruppe
1. SoziobiologischePerspektive Bedürfnis nach Zugehörigkeit 2. KognitivePerspektiveInformationsquelle, Unsicherheit reduzieren 3. UtilitaristischePerspektive Nutzen/Vorteil verschaffen
Merkmale Soziale Gruppen nach Johnson & Johnson (1987):
- zwei oder mehr Personen - Interaktion - Interdependenz - gruppenspezifische Rollen und Normen - gegenseitige Beeinflussung - gemeinsames Ziel - Individuelle Bedürfnisbefriedigung durch die Gruppe
Entitativität (entitativity)
Ausmaß, in dem eine Anzahl von Personen als miteinander verbundene, kohärente Einheit wahrgenommen wird.
Gruppenmerkmale
1.GegenseitigeInteraktion2.Interdependenz3.StrukturderGruppe(Rollen,Normen,Status)4.Entitativität (Wahrnehmung als Gruppe)5.Gruppenkohäsion6.Soziale Identität
Struktur und Prozesse in einer Gruppe werden bestimmt von
• Normen• Rollen• sozialem Status einzelner Gruppenmitglieder
Normen
= formelle und informelle Erwartungen bzgl. akzeptabler Verhaltensweisen und Einstellungen aller Gruppenmitglieder -> gruppeninterne Erwartungen an alle Gruppenmitglieder Ruhegebot in Bibliothek
Rollen
= Ansammlung von Regeln bez. adäquaten Verhaltens eines einzelnen Gruppenmitgliedes Person innerhalb der Gruppe -> gruppeninterne Erwartungen an einzelne Gruppenmitglieder Vorgesetzter vs. Angestellter
Status
Bewertung einer Rolle durch die Gruppe, in der die Rolle vorkommt oder durch die sie definiert wird
Kohäsion (cohesion):
Die Kraft, die die Mitglieder an die Gruppe bindet Einflussfaktoren: gemeinsame Zielepersönliche Sympathie für MitgliederÄhnlichkeit mit anderen GruppenmitgliedernIdentifikation mit GruppeAbwesenheit alternativer Gruppen
Zsmfassung Begriffe
Gruppenstruktur: stabiles Muster von Beziehungen zwischen Mitgliedern einer Gruppe (Rollen, Normen, Status) Gruppenkohäsion: Stärke, mit der Gruppenmitglieder sich an die Gruppe gebunden fühlen Interaktion: Art und Ausmaß der Kommunikation zwischen Gruppenmitgliedern Interdependenz: Ausmaß, in dem Gruppenmitglieder gegenseitig bei der Erreichung von Zielen voneinander abhängig sind Soziale Identität: Teil des Selbstkonzepts, der sich ableitet aus der Mitgliedschaft in sozialen Gruppen oder Kategorien Wahrnehmung als Gruppe: Ausmaß, in dem eine Gruppe tatsächlich als Gruppe wahrgenommen wird (engl. entitativity)
Gruppenpolarisierung
Tendenz, Entscheidungen zu fällen, die extremer sind als der Durchschnitt der anfänglichen Positionen der Gruppenmitglieder; die Tendenz geht in die Richtung, die die Gruppe bereits favorisierte.
Experiment zur Gruppenpolarisierung (Moscovici & Zavalloni, 1969)
Einstellungen französischer Schüler zu Präsident Charles de Gaulle bzw. zu US-Amerikanern 1. Phase: Einstellungserhebung auf Fragebogen2. Phase: Gruppendiskussion & Konsensfindung in der Gruppe bezüglich der Einstellungen3. Phase: erneute Abgabe eines privaten Urteils -> Ergebnis: Einstellungen der Vpn wurden in und nach Gruppendiskussion extremer als ursprünglich!
Normativer Einfluss
Einfluss, der darauf beruht, dass man mit den positiven Erwartungen von anderen konform gehen möchte - Menschen vermeiden es, sich so zu verhalten, dass dies zu sozialer Bestrafung oder Ablehnung führen wird.
Informationaler Einfluss
Einfluss, der darauf beruht, dass man die Informationen, die man von anderen erhalten hat, als Hinweis auf Realität akzeptiert.
Sozialer Vergleich
Sich selbst mit anderen vergleichen, um die eigenen Fähigkeiten und Meinungen einzuschätzen.
Gruppendenken (group think)
Syndrom, bei dem es zu schlechten Entscheidungen in Gruppen kommt. Dabei streben die Mitglieder einer kohäsiven Eigengruppe nach Einmütigkeit und zwar auf Kosten einer realistischen Bewertung alternativer Handlungsverläufe.
Maßnahmen zur
Vermeidung von Gruppendenken
Meinungsdivergente Gruppenexterne Informationsquellenoffene, nicht-restriktive DiskussionskulturAdvocatus diaboliAufteilung in Untergruppen: diese diskutieren zunächst getrenntAnonymisierung: geheimes Feedback/ AbstimmungAufteilung der Verantwortung für bestimmte Fachbereiche
Gruppenleistung
+ beeinflussung durch 3 Faktoren
= Leistung einer Gruppe als Ganzes. 1. sozialer Kontextbeeinflusst individuelle Leistungsfähigkeit 2. Prozessverluste= Gruppenprozesse, die die Gruppenleistung verringern z.B. Koordinierungs- und Motivationsverluste 3. Prozessgewinne = Gruppenprozesse, die die Gruppenleistung erhöhen z.B. wechselseitige Weitergabe von Wissen und Fertigkeiten
Individuelle Leistung im sozialen Kontext
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„Soziales Faulenzen“
häufig schleichende Verringerung der Arbeitsmotivation & Leistung in einer Gruppe (nicht-intentional!)
Social Loafing tritt auf, wenn
1.individuelle Leistungen nicht bewertet werden können 2.Aufgaben als unwichtig/bedeutungslos wahrgenommen werden 3.kein Bewertungsstandard der Gruppenleistung vorliegt 4. von anderen Gruppenmitgliedern gute Leistungen erwartet werden 5. bei Zusammenarbeit mit unbekannten Personen
Free Rider-Effekt:
„Trittbrettfahren“ - bewusste Entscheidung, sich nicht anzustrengen, weil eigene Leistungen als überflüssig für Erreichen des Gruppenziels angenommen
Sucker-Effekt:
„Trotteleffekt“ - Als Protest gegenüber Trittbrettfahrern reduzieren die anderen Gruppenmitglieder ihre Anstrengungen
Bewertungsangst
: generelle Angst, Vorurteile über eigene Person zu erfüllen (insbesondere bei schwierigen, nicht geübten Aufgaben)
Hidden Profile-Paradigma (Stasser & Titus, 1985)
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Eigengruppe
Fremdgruppe (Outgroup)
Eigengruppe (Ingroup)= Gruppe, der ein Individuum angehört oder anzugehören glaubt z. B. Psychologiestudierende, Frauen, Berliner Fremdgruppe (Outgroup) = Gruppe, zu der eine Person nicht gehört oder nicht zu gehören glaubt z. B. Senioren, Profiboxer, Manager
Ferienlagerexperimente (Sherif)
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Soziale Identität
Soziale Identität ist das aus einer Gruppenzugehörigkeit resultierende Gefühl einer Person, wer oder was sie ist. Menschen streben nach positiver sozialer IdentitätDies ist hinreichende Ursache für Diskriminierung!