Sozialpsychologie (Fach) / 4. Selbst (Lektion)
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Selbst
Diese Lektion wurde von MarienkEva erstellt.
- Selbstkonzept ("self-concept"): Das Wissen einer Person über ihre persönlichen Eigenschaften
- Selbstwert ("Self-esteem") Die Bewertung der eigenen Person setzt sich zusammen aus: - positive und negative Erfahrungen - Vergleiche mit anderen
- Quellen des Wissens über die eigene Person (4) eigenes Verhalten eigene Gedanken und Gefühle Reaktionen anderer Soziale Vergleichsprozesse
- Cooley: "The looking-glass self" Spiegelbildeffekt --> beschreibt das Selbstkonzept als sich entwickelnde Folge der wahrgenommenen Eindrücke und Bewertungen im sozialen Miteinander. Die Person handelt und weiß (nimmt an), dass sie dabei beobachtet wird: Wie wird sie von anderen Menschen gesehen/erlebt Wie wird sie von diesen anderen Menschen daraufhin bewertet Was für Gefühle erlebt sie aufgrund dieser Bewertung Es geht hier nicht um wirkliche Bewertung durch bedeutsame andere Personen, sondern darum, was das Individuum darüber glaubt (alles unterliegt der Interpretation durch das Individuum).
- Studie von Miller et al. (1975), 3 Schulklassen: (1) "Ihr seid ordentlich."(2) "Ihr sollt ordentlich sein!"(3) Kein TreatmentErgebnis: Klasse (1) macht am wenigsten Unordnung; Beeinflussung des Selbstkonzepts.
- Akteur-BeobachterVerzerrung Die Tendenz, eigenes Verhalten auf die Situation zu zurückzuführen, das Verhalten andere auf ihren Charakter. Kann sich für positive Handlungen auch umdrehen
- Wissen über Selbst und andere: Ähnlichkeiten - oft identische Informationsquellen• ähnliche Urteilsstrategien• oft gleichermaßen (in)akkurat (s. Nisbett & Wilson, 1977)
- Wissen über Selbst und andere: Unterschiede • Mehr und unterschiedlichere Information über das Selbst => wir sehen uns selbst als flexibler und weniger extrem als andere.• Unterschiedliche Attributionen (z.B. Akteur-BeobachterVerzerrung)– Kann sich für positive Handlungen auch umdrehen (Malle, 2006)
- "Multiple Selves" Je nach Rolle und Situation sind unterschiedliche Selbstaspekte zugänglich (das "dynamische Selbstkonzept": Markus & Wurf, 1987).− Personen weisen unterschiedlich ausgeprägte Selbstkomplexität auf (Linville, 1985).Selbstkomplexität = Anzahl und Unterschiedlichkeit der Selbstaspekte, die eine Person für verschiedene Rollen, Aktivitäten und Beziehungen entwickelt.
- Kohärenz des Selbst: Wie fügen Personen ihre Selbstaspekte zu einem konsistenten Ganzen zusammen? Begrenzte Zugänglichkeit (situationsabhängig zugänglich, daher keine inkonsistenz) Selektive Erinnerung Rekonstruktion der Vergangenheit im Einklang mit demgegenwärtigen SK Fokus auf wenige Schlüsselmerkmale Effiziente, selektive Verarbeitungschemarelevanter Information.
- Selbst und Kultur Individualistische Kulturen Grenzen zu sich und anderen sind klar starke und einzigartige Eigenschaften sind verinnerlicht Die Eigenschaften anderer sind getrennt Kollektivistische Kulturen: Die Grenzen zu sich und anderen gehen ineinander über starke eigenschaften werden mit anderen geteilt einzigartige Eigenschaften sind "muted"
- Selbsterkenntnis und Selbstwerterhöhung – Akkurate Selbsteinschätzung ist adaptiv(anpassungsfähig)– Aber: oft positive Verzerrungen (oft als überdurchschnittlich bewertet) Verzerrungen – Auswahl geeigneter Situationen und Beziehungen– Selektive Wahrnehmung und Erinnerung eigener positiver Beiträge
- Schlüsselstudie von Linville (1985) Selbstkomplexität als "Puffer" Zentrale Hypothese:Der Einfluss positiver und negativer Erfahrungen auf den allgemeinen Selbstwert ist um so größer, je weniger komplex das Selbst einer Person ist. Hohe Selbstkomplexität --> viele verschiedene Aspekte, wenige Überlappungen Niedrige Selbstkomplexität --> Wenige Aspekte, viele Überlappungen 1. Messung der Selbstkomplexität: Sortieraufgabe 33 Eigenschaften in beliebig viele Kategorien mit beliebigen Überlappungen => Berechnung Selbstkomplexitäts-Index2. Erste Erhebung der aktuellen Stimmung (14 Items) und Selbstbewertung (12 Items) = Kontrollvariablen3. UV: Vp macht positive vs. negative Erfahrung: Angebliche Leistungsrückmeldung zum "analytischen Denken": Vp in den "oberen (vs. unteren) 10% der Verteilung"4. Zweite Erhebung der aktuellen Stimmung und Selbstbewertung = AVn Ergebnis:Hypothese gestützt: geringere Selbstkomplexität => extremere Reaktionen (positiv wie negativ) auf selbstrelevante Erfahrungen. Studie 2: nichtexperimentellErfassung der Selbstkomplexität; Vpn führen 14 Tage lang ein "Stimmungstagebuch"; individuelle Stimmungsvarianz wird mit derSelbstkomplexität korreliertErgebnis: Je höher die Selbstkomplexität, desto geringer sind natürlicheStimmungsschwankungen
- Theorie des Selbstwerterhalts (SEM (self-evaluation maintenance); Tesser, 1988): • Nähe zur Vergleichsperson und Bedeutsamkeit der Eigenschaft sind entscheidend.• Gute Leistungen einer nahestehenden Person führen zu...– Stolz und positivem Selbstwert, wenn mir die Eigenschaft selbst unwichtig ist,– Neid und negativem Selbstwert, wenn mir die Eigenschaft wichtig ist.
- Unvermeindliche Vergleiche • Manchmal drängen sich bestimmte Vergleiche auf. • Silbermedaillengewinner_innen: als Vergleich ist die einePerson augenfällig, die noch besser war• Bronzemedaillengewinner_innen: Vergleich mit all denanderen, die es nicht aufs "Treppchen" geschafft haben
- Gezielte Vergleiche Wenn möglich, vermeiden wir Aufwärts-Vergleiche und streben Abwärts-Vergleiche an => Selbstwerterhöhung
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- Selbstreferenz-Effekt Verarbeitung von Information mit Bezug auf das Selbst ("beschreibt mich X?") erleichtert die Speicherung im Gedächtnis
- Theorie der Selbstdiskrepanz Personen orientieren sich an "self-guides" (= internen Standards):• Ideal Self – wie ich gerne sein will• Ought-Self – wie ich glaube, sein zu sollen• Actual self – wie ich glaube, tatsächlich zu sein
- Theorie des regulatorischen Fokus • Promotion Focus – Orientierung am Ideal-Selbst,Versuch positive Dinge zu erreichen • Prevention Focus – Orientierung am Soll-Selbst,Versuche negative Dinge zu vermeiden
- Disposition zur Selbstaufmerksamkeit "private self-consciousness" Skala von Fenigstein et al. (1975). Items:"Ich denke viel über mich nach""Ich prüfe ständig, was die Motive für mein Verhalten sind." Selbstdiskrepanzen sind unangenehm
- Selbstregulation: Wie widerstehen wir Versuchungen? – Sich für Widerstand gegen Versuchungen selbst belohnen– Erwünschtes Verhalten, das kurzfristig negative Konsequenzen hat (z.B. Diät halten; abends lernen) im Sinne seiner langfristigen Ziele repräsentieren• "Ought goals" werden so zu "ideal goals"– Aber: Selbstregulation ist schwierig, Kapazität dafür kann sich erschöpfen (Baumeister et al., 2000)• Beispiel: Am Ende eines harten Arbeitstages ist es schwieriger, eine Diät einzuhalten, als am Sonntagabend
- Induktion von Selbstdiskrepanzen (Baldwin et al., 1990) • Vpn: Katholische Studentinnen• Lesen eines Textes über sexuelle Phantasien• UV: Wiederholte Aktivierung des "Ought-Self" durch subliminale Darbietung:– Papst-Bild– Bild einer neutralen Person (Kontrollbedingung 1)– kein Bild (Kontrollbedingung 2) • AV: Selbstbewertung (Skala von 1 bis 9) • Ergebnisse:– Keine bewusste Wahrnehmung der Bilder– Selbstbewertung wird beeinflusst. Mittelwerte:Papst neutrale Person kein Bild6.30 7.09 7.02
- Verhalten orientiert sich an anderen Personen auf zwei Arten: •Selbst-Ausdruck (self-expression): Das Motiv, durch Handeln mein Selbstkonzept öffentlich auszudrücken• Selbstpräsentation: Das Motiv, mich so zu verhalten, dass andere einen positiven oder erwünschten Eindruck von mir gewinnen–> Selbstpräsentation kann auch auf die handelnde Person zurückwirken und das Selbstkonzept verändern.
- Self-Monitoring • Personen mit niedrigen Self-Monitoring-Werten handeln so, wie sie sich selbst wahrnehmen• Personen mit hohen Self-Monitoring-Werten handeln so, wie es die soziale Situation erfordert• Self-Monitoring Scale (Snyder, 1974). Items:– "Ich kann andere Leute schlecht nachahmen"– "Ich kann nur für Ideen eintreten, von denen ich wirklichüberzeugt bin"– "Es kommt vor, dass ich nicht meine Meinung sage, um Streitzu vermeiden"
